Alles außer Hochdeutsch

Hallo meine Lieben,

ich saß gerade mit dem Fuchs auf meinem genialen Balkon in der neuen Wohnung. Nachdem ich fand, dass ich genug über Funktionsmanagement in Linienorganisationen gelernt hatte und sich gefährliche Langeweile einzustellen begann, zog ich alle Register damit meine Teuerste (wenigstens mal Anstalten macht) von Ihrem Controlling-Skript aufzublicken. Ich versuchte es mit zunächst Lock-Pistazien und stellte ein kleines Schüsselchen auf einen Hocker zwischen uns. Sie futterte sie mit der Gelassenheit (und ich möchte sagen Gleichgültigkeit) einer Oberbayerischen Milchkuh einfach weg. Nachdem die Schüssel entsetzlich schnell leer war und sie immer noch nicht von ihrem Skript (locker auf den hochgelegten Beinen) aufschaute, ja mich keines einzigen Blickes würdigte, wurde ich etwas direkter.
Ich holte das zeitlos geniale „Stratego“-Brettspiel und ersetzte das Pistazien-Schüsselchen durch den Spielkarton. Dann setzte ich mich wortlos daneben, die Hände erwartungsvoll in den Schoß gelegt. Außer einem müde mitleidigem Lächeln – und mich sowieso nur aus den Augenwinkeln wahrnehmend- rang sie sich aber nichts weiter ab. So konnte der Hundeblick natürlich keine Wirkung haben!

Es half schließlich alles nichts und ich musste mich mit mir alleine beschäftigen. Damned! Ich zog meine >> gute alte Klampfe an die frische Luft. Ein paar Akkorde sinnlos anzupfen, die Finger warmgreifen und anstatt dem Spiel, nun ein Liedbuch auf dem Hocker aufschlagen. Nach monatelanger Abstinenz fing ich gaaanz langsam wieder an: „Knocking on heavens door“. Immerhin ließ sie irgendwann einen Kommentar fallen, die Melodie würde sie irgendwoher kennen. Von da an hoch motiviert, arbeitete ich mich weiter zu „>> I’m a big big girl“ (nur ganz kurz, weil sie das blöd fand) und „>> Earth song“ (weil ein kurzer Tribut an Michael Jackson grad ruhig sein darf). Schließlich fand ich beim Durchblättern einen meiner persönlichen Dauerbrenner.

Ich fing an die ersten Akkorde zu spielen und sang sogar (gedämpft, es ist schließlich Sonntag auf dem Balkon mit). Wer könnte „>> Fürstenfeld“ wohl glaubhafter, inbrünstiger und mit Herzblut singen, als eine Native-Speakerin in Zentralschwaben?

Ich holte gerade tief Luft, um zum Refrain anzusetzen, als sie mich plötzlich rüde unterbrach: „Sag mal, warum singst Du denn nicht deutsch???“ Mir ist glatt mal das Plektron abgerutscht und das Geräusch von ächzenden Gitarrenseiten zerriss jäh unsere Hinterhof-Idylle.

Muss ich das jetzt erklären? Kann das bitte jemand anderer für mich machen?

Ich muss jetzt aufhören und erst mal ganz elementare Grundlagen-Aufklärung durchführen 😉

Bis bald,
euer Ambitionsmädchen

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4 Antworten to “Alles außer Hochdeutsch”

  1. su. Says:

    Ach toll – die „Gelassenheit einer Oberbayerischen Milchkuh“. Da ist also eine die es geschafft hat! Diesen Zustand strebe ich selbst schon lange an – wie kommt man dahin?
    Lg su.

    • ambitionsmaedchen Says:

      Das ist das einfacher als gedacht! Kennst Du das Sprichwort „Don’t crack under pressure!“?
      Wenn der Druck zu groß ist, „crackt“ die Leistungskurve und man fällt auf Nullniveau in einen abgeklärten Bewußtseinszustand der Gleichgültigkeit und Gelassenheit. Besonders schnell erreicht man ihn als Student.
      An dieser Stelle möchte ich ein kraftvolles „Go for Gold, Controlling-Girl!“ ausrufen!

      Die gemeine Milch-Kuh hat im Vergleich dazu ein gottgegebenes Geschenk: das „Lethargie-Gen“. Damit erreicht sie diesen Zustand ohne das uns abverlangte jahrelange Training. Sie kann glückseelig und high im Nebel der Unwissenheit dahindappen und mit ihren süßen großen Kulleraugen von schweizer Postkarten strahlen.

  2. Kitty Says:

    Oh… ich möchte auch eine oberbayrische Milchkuh werden! Aber die Schokoladensorte. Wie heißen die noch, Milkakühe? Kann man auch Lindtkuh werden? Und wo gibts da ein Coaching bzw. Training? Ich bitte um dringende Hinweise!

    • ambitionsmaedchen Says:

      Typisch Fernseh-Kindheit! Bei Kühen immer gleich an Schoko denken!
      Mittlerweile ist jedes 3. Kind davon betroffen lese ich gerade. Niedergang der Kulturen sage ich da bloß!

      Dabei ist die Milka-Kuh doch auch noch eine Schweizerin! Und die Lindt-Kuh gibt’s doch gar nicht nicht! Das sind Haserl… Haaaaserl!….Schweizer… Haserl!

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