Gemischte Gefühle

Hallo meine Lieben,

es ist so heiß! 36° Grad. Doch ich will ja nicht meckern 😉
Was war nochmal genau die Temperatur in Deutschland? 😉 Kalte Füße, Wolken und Nieselregen…? Ich hab’s so gut!

Was hab ich überhaupt gemacht die letzten Tage? Gelesen: „Wilhelm Reich – Rede an den kleinen Mann“. Das war eine Höchstleistung, denn wer glaubt, dass diese Temperaturen zwangsweise zu geistiger Versteifung führen hat selbstverständlich uneingeschränkt recht. Aus diesem Grund habe ich heute dann nur geputzt und meine Wäsche zur Reinigung gebracht. Was war das nicht ein schönes Erlebnis! Da stand vor mir ganz offensichtlich eine Nichtargentinierin und hat zum ersten Mal ihre Wäsche abgegeben. Wissend um ihre Ängste und milde lächelnd stand ich geduldig daneben. Ich bin ja schon Profi… sogar „Cliente VIP“, mit eigener Kundennummer. Am Spanisch lag es bei der Dame nicht, sie wußte nur genauso wenig wie ich am Anfang, wie das überhaupt „so läuft“:

F: Waschen und Trocknen? A: ähh… ja… normal halt.
F: Eine oder zwei Maschinen? A: … eine?
F: Wann möchten sie es abholen? A: *schulterzucken*
F: Um acht? A: …ja?!
F: Möchten sie gleich zahlen? A: ähh… nein, es sind nicht meine Sachen, ich hab gar kein Geld dabei…
F: Das ist ihr Zettel zum Abholen! A: OK, danke!

Ansonsten bin ich grade viel Baden und achte darauf mich gleichmäßig unter dem Ozonloch zu wälzen, damit ich im Anschluß nicht wieder die ganze Haut von meiner Schulter pellen muss. Und ich erkunde meine neue Heimat. Zum Beispiel die „Estación FC GB“, der Nordbahnhof von Córdoba.

So wie am Hauptbahnhof ist auch hier alles seit dem Verkauf durch den Staat in den 90iger Jahren verlassen und verwahrlost. Ein Geisterbahnhof. Eine bestimmt 100 Meter lange Fußgängerbrücke aus Stahl ermöglicht es, die gut 20 Gleise zu überqueren und alles auf sich wirken zu lassen.


In den leeren Gebäuden wohnt die Armut. Scheue Familien, die sich nur durch einzelne Blicke durchs Fenster verraten; dann ein kleiner Junge der barfuß und in kurzen Hosen den Bahnsteig entlangläuft. Die Güterzüge stammen aus weit glücklicheren Tagen. Umso überraschter bin ich, als sich unter mir plötzlich einer von Ihnen mit reichlich Soja geladen langsam, knackend und ächzend in die Gänge setz. Ich schaue ihm noch eine Weile nach und wünsche mir für Argentinien, dass sie sich alle wieder bewegen.

Bis bald,
euer Ambitionsmädchen

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Just listening:
Chavela Vargas – Paloma negra
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