Was Rolland andeutet, spricht Moloko aus

Hallo meine Lieben,

gestern war ich zu einem Konzert in einem schwäbischen Städchen nahe Stuttgart eingeladen. Die Gruppe covert, die „besten Rockhits der 80iger und 90iger“. Ich weiß auch nicht mehr genau, was mich geritten hat als ich da zusagte.
Der Alterdurchschnitt vor Ort hätte mir eigentlich von vornherein klar sein können. Naja jedenfalls wurde unter anderem „>> Sing it back“ von Moloko gespielt. Ich musste mich ja schon ein wenig zusammenreissen der Sängerin nicht über 300 Köpfe hinweg ein empörtes „Blanke Blasphemie! Werde Deiner Hybris gewahr, bevor es zu spät ist!“ zuzukreischen.
Allerdings stand vor mir ein sakkotragender Mittvierziger mit Halbglatze, Hörgerät(!) und Verlegenheitsbier in der Hand. Der hat mich so abgelenkt. Seine abgehackten Kopfbewegungen ließen mich spontan an eine Henne denken. Fast genauso interessant war die (und hier wäre das Wort „Mittvierzig“ wirklich …euphemisch… also gut sagen wir nur die) Dame mit wallend blondgefärbten Haar, geflochtenem Stirnband, Minirock und pinkfarber Strumpfhose, die sich in dem rappelvollem Laden immer wieder an mir vorbeidrängte. Die Frau hätte meine Mutter sein können, aber dann hätte ich sie für ihren Jugendwahn mit erhobenem Finger geschimpft. Vielleicht muss ich auch einfach noch ein wenig an meiner Blickschärfe arbeiten. Ein Tick verschwommener wäre gut.
Ich habe gestern gelernt, dass die Mode aus dieser Musikepoche durchaus noch in gewissen soziodemographischen Kreisen (und in schwäbischen Städchen) tragbar ist. So ist es nicht notwendigerweise ein gesellschaftlicher Makel als erwachsener Mann seine Basketballmütze (mit Werbungaufdruck für eine Flaschnerei) falsch rum auf dem Kopf zu tragen und das ganze mit Hochwasserjeans und Cowboystiefeln zu kombinieren. Farblich diametral getrennte Hemden sind auch kein Problem. Wer nie dem Motivdruck entwachsen ist, darf in diesem Etablissement auch Hemden mit total fetzig designeten Jahreszahlen und Psydowappen zwischen den Schulterblättern tragen. Es gab gestern viele Blocksträhnen tragende Frauen im scheidungsfähigen Alter, die das offensichtlich ansprechend fanden. Dem(!) Typ hat eine im vorbeigehen sogar neckisch in den Hintern gekniffen. Da war ich so baff, dass ich mich direkt zur übervollen Theke umdrehen und an meiner Cola nippen musste.
Richtig fehl am Platz fühlte ich mich aber, als die ersten Takte von Billie Jean angespielt wurden und ein (tagsüber womöglich völlig unauffälliger Abteilungsleiter) ernsthaft vor allen Leuten nach bester Michael Jackson Art anfing zu tanzen. Ihr wisst schon, auch mit „dem Griff“ und so… und die fanden das toll…
Aber wie bin ich jetzt eigentlich darauf gekommen? Achso, Moloko…
Ich dachte so bei mir, dass ich schon lange nichts neues mehr von der Gruppe gehört habe. Meine Recherchen haben dann die traurige Wahrheit ans Licht gebracht, dass sich die Band aufgelöst hat und beide an Ihren Solo-Karrieren feilen.

Nun muss ich gestehen, dass Sängerin Róisín Murphy in meinen Sturm-und-Drang-Zeiten ein musikalisch unverzichtbarer Bestandteil hormontrunkenen Beischlafs war. Im August vergangenen Jahres hat sie nun wieder allein eine Single veröffentlicht. Und tatsächlich, bei „Simulation“ werden genau die gleichen Synapsen wie früher angeregt. Ich möchte mal behaupten, die sexualspezifische Wirkung ist unverändert. Was könnte ein Comeback von Moloko nicht alles anstacheln?!

Bevor das Kopfkino anläuft, will ich mich direkt schnell wieder etwas platonisch Romantischem zuwenden. Zum Beispiel der Geschichte von „>> Pierre und Luce“ von Romain Rolland. „Nun, da ich liebe gibt es kein warum mehr“… hach so schön!

Übrigens hat mir Susi geantwortet! Dazu erzähle ich euch morgen mehr 🙂

Bis bald,
euer Ambitionsmädchen

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Just listening:
>> Róisín Murphy – Simulation
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4 Antworten to “Was Rolland andeutet, spricht Moloko aus”

  1. Brischit Says:

    Hahaha! Diese, äh, Cover Band, die du da beschreibst, sind das nicht die, die schon des öfteren das Abendprogramm bei der Aidshilfe-Hocketse gestaltet haben? — Mir kommt das alles irgendwie wahnsinnig bekann vor…

    • ambitionsmaedchen Says:

      Oh, das weiß ich leider nicht… bei der Hocketse bin ich immer so mit schauen beschäftigt, dass ich gar nicht hören kann… 😉

  2. mama Says:

    Haben sie da auch David Hasselhof gespielt???

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