„Contenance in China“ oder „So, jetzt bitte Erdboden öffnen!“

Hallo meine Lieben,

gestern war ein freier Tag, zumindest was Termine anbelangt.
Zusammen mit den Kollegen war ich in einem der großen „Pearl Markets“, also eines jener Einkaufszentren in denen man jede Menge Perlen und -naja- „fake“ Artikel, also gefälschte Sachen bekommt. Die Herren haben für ihre Frauen zuhause gleich Weihnachtsgeschenke in Form dicker Perlenketten eingekauft. Wenn jemand meiner Leserschaft ein Mitbringsel aus einer der eben genannten Produktgruppen möchte, so möge er/sie nun sprechen oder für immer schweigen. 

Den heutigen Vormittag habe ich genutzt um einen der chinesischen Kollegen hier im Headoffice für ein neues Projekt zu begeistern. Nachmittags Termin mit einem unserer großen Kunden. Noch in Deutschland habe ich für unglaubliche 100 Euro Pralinen eingekauft, um sie bei Terminen wie diesen mehr oder weniger feierlich zu übergeben. Denn was interkulturelle Kompetenz angeht, meistere ich den >> Focus-Chinaknigge mittlerweile spielend. Auf dem internationalen Parket brilliere ich nicht nur in der Pflicht, sondern auch in der Kür mit gelassener Eleganz. Wenn ich das mal so sagen darf. Manchmal allerdings, so wie heute, ist das Leben ein komplexes, hinterlistiges Biest…

Ich fange mal so an: Mein Schnupfen, bzw. um genau zu sein, meine gnadenlos laufende Nase allein, stellt in China bereits eine gewisse logistische Herausforderung dar. Sich in der Öffentlichkeit die Nase zu putzen oder noch schlimmer gar, zu schneuzen, ruft in etwa die gleichen verständnislosen Blicke hervor, wie bei uns das beherzte Hochziehen eines „Lungaharings“ (nein, ich übersetze das jetzt nicht! Bitte den Begriff aus dem Kontext erschließen!) aus den tiefsten Tiefen des Bronchialsystems.
Wir saßen also im Konferenzzimmer und ich musste mich notgedrungen schnell auf die Toilette stehlen, um mir die Nase zu putzen. Und weil ich eh schon da war, benutze ich eben auch noch die Toilette. Es war eine von diesen Amerikanischen, deren Wasserverbrauch den Deutschen die Tränen in die Augen treibt. Ein weiterer Unterschied zum deutschen System: es läuft erst mal noch mehr Wasser ein, bevor alles (meist mit einem lauten schmatzenden Sauggeräusch) abgezogen wird. Naja, so sollte es eigentlich funktionieren, wenn man die Spülung abzieht. Hat es aber nicht. Der Wasserspiegel stieg langsam an, mein Unterkiefer senkte sich langsam ab. Das Klosett lief voll bis unter den Rand. Und das laute Schmatzsauggeräusch kam nicht. Das ist der Albtraum! Das ist der Albtraum im Privatleben, aber der Ultra-Albtraum im Hosenanzug!
Ich bin schnell raus aus der Kabine und habe ein buddistisches Stoßgebet an den Himmel gerichtet. Händewaschen und dann weg hier! Ich fand nicht, dass ich den Einhandmischer so dolle bewegt hab. Er aber wohl schon, denn nun hatte ich den Hebeln in der Hand. Das Wasser lief volles Rohr aus dem Hahn und ich betrachete mich fassungslos mit diesen Hebel… in meiner Hand… auf Augenhöhe… im Spiegel des Waschbeckens…
OK, denk dran, Du bist ein Ingenieur… you can fix it! Umständlich versuchte ich den Hebel wieder zu befestigen… naja… ich steckte ihn einfach wieder drauf und bin dann wirlich sehr sehr schnell aus diesem Klo raus.
Wow, geschafft!
Das Erfolgsgefühl dauerte genau so lange an, bis ich die Tür zum Konferenzraum öffnete. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass ich die einzige Frau war? Unter sieben Männern aus drei Nationen? Was da auf dem Flur vor dem Tisch lag war eindeutig ein original verpackter, deutscher O.B.. Er musste mir vorher aus der Hosentasche gerollt sein.
Ich kann nicht sagen, ob meine Gesichtszüge in diesem Augenblick völlig entgleist sind… aber dieser O.B. da auf dem Boden hatte die visuelle Wucht einer Dampflokomotive in voller Fahrt. Spontan dachte ich an meine >> bisherigen O.B.-Erlebnisse. Oh mann….

Jetzt ist es inzwischen Abend und ich will eigentlich nur noch Essen und schnell schlafen, bevor noch Peinlicheres passiert 😉

Bis bald,
euer Ambitionsmädchen

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4 Antworten to “„Contenance in China“ oder „So, jetzt bitte Erdboden öffnen!“”

  1. moc Says:

    Hola Ambitionsmädchen,
    sofern Du mal an einem Elektronikladen vorbeikommst und einen
    MK808 (Dual Core Android 4.1 Jelly Bean TV BOX RK3066 Cortex-A9 Mini PC stick) findest – sowas hätte ich gerne.
    Preis sollte so um die 50€ liegen…

  2. moc Says:

    Aber nur, wenn Du zufällig drüberstolperst….

  3. cora Says:

    Ich will mehr Alltag erfahren! Wo bleibt der nächste Bericht? 😉

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