Kontraste

Hallo meine Lieben,

der Tag heute hat ja früh angefangen. Nachdem ich euch fertig geschrieben habe, bin ich in den Fitnessraum. Der ist um sechs Uhr morgens natürlich noch leer doch dank bester Ausstattung auch allein sehr angenehm.
Das Frühstücksbuffet in unserem Hotel spiegelt alle kulinarischen Präferenzen dieser Welt ab. Von -natürlich- chinesischem über amerikanischem, thailändischen, japanischen und kontinentalen Frühstück ist alles dabei.
Klar sind Frühstücksbuffets im Hotel meist immer ein Augenschmaus, doch hier qiekt das knackige Obst auch noch regelrecht „Iss mich!“. Dass die Granny Smith Äpfel dann doch nur dekorative Elemente aus Plastik sind, die ich schnell wieder zurückgelegt habe, hat hoffentlich wirklich nur die eine Angestellte gesehen. Sie hat sich verschüchtert die Hand beim Grinsen vor den Mund gehalten. Ich sehe beim „Ertappt-werden“ wahrscheinlich nicht besonders weltgewandt aus…
 
Ich bin außerdem froh, dass nur mein (seit neuestem Duz-)Kollege am Tisch sitzt, als ich erst Müsli, dann >>Dumplings mit Backed Beans und Sushi im Anschuß kombiniere. In meinem Bauch schwimmt noch lange der Cappuchino-Milchschaum oben drauf. Hilft nix, bei sowas muss ich einfach alles ausprobieren.

Wir machen uns auf zu einer 2,5 stündigen Tour in den Westen, um einen potentiellen Lieferanten zu besuchen. An der Autobahnabfahrt wartet er schließlich schon auf uns, um uns dann weitere 7 km durch Dörfer in die Pampa zu geleiten. Links und rechts von uns züchten die Bauern hunderte von Enten in kleinen Teichen. In einem der Dörfer stehen drei aufgetakelte junge Mädchen am Strassenrand und es ist offensichtlich, was sie anbieten. Wer hier aufwächst, hat nichts vom Leben zu erwarten.
Als wir bei der kleinen Firma ankommen, muss ich schlucken. Der Hof ist voller Matsch, durch den die Gänse watscheln. Dahinter schäbige Behausungen, in denen die wenigen Arbeiter wohnen. An den Leinen vor der Tür hängt Kinderkleidung. Der Chef im Auto vor uns steigt schließlich aus seinem VW Passat. Er spricht gerade am iPhone.

Er zeigt uns seine Anlagen und wir gehen vorbei an den Gänsen in eines seiner beiden Büros oberhalb der Baracken. Der Raum ist funktional, kahl und so kalt, dass ich den Mantel anbehalte. Bei Tee aus Pappbechern werden Details geklärt. Er verspricht ein Angebot bis nächster Woche und lädt uns zum Mittagessen ein.
Als wir beim Restaurant ankommen, fällt mir wieder eine Wäscheleine auf. Diesmal hängt dort nicht nur Kinderunterwäsche sondern direkt daneben auch das Schweinefleisch und ein halbes Huhn zum Trocknen.


Ich nehme mir vor, heute nur vegetarisch zu essen. Die Küche ist ländlich, das heißt gut, aber einfach und für manchen Europäer vielleicht auch derb. Aus der Hühnersuppe schauen die Füsse raus (ich nehme mir höflich, aber nur vom Sud), auch bei der Ente ist von Hals bis Fuß noch alles zu haben und beim Fischtopf denke ich spontan an ein maritimes Massaker. Nachdem ich gesehen habe, wie unser Chaffeur bei den Skrims den Kopf aussaugt, greife ich beherzt zu gedünsteten Mangold und Tofu. Der Schnapsrunde kann ich mich nicht entziehen, wobei ich finde, dass ich noch am Besten dabei weggekommen bin. Ein kleiner Junge, er gehört wohl zum Restaurant, lugt um die Ecke in unser Speisezimmer und sieht uns neugierig an. Die Fremden essen vom Besten, was es weit und breit zu bieten gibt.
Man verabschiedet sich höflich, dankt vielmals für alles und verspricht sich bald weiter abzustimmen.

Ich sitze im Auto während ich dies schreibe, neben mir zwei trunken schlafenden Kollegen. Je näher wir wieder an Shanghai kommen, desto voller werden die Highways. Es gibt ausschließlich neue Autos auf den Straßen. Nur die gehobene Mittelklasse kann es sich hier überhaupt leisten ein Auto zu fahren. Allein das Shanghai’er Nummernschild kostet aktuell 16.000 Euro.
Was nehme ich mit von diesem Tag? Vielleicht das: Ich bin gut weggekommen, im Leben.

Bis bald,
euer Ambitionsmädchen

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4 Antworten to “Kontraste”

  1. Brischit Says:

    Puh, ich werde meinen Burger im Fischlabor nachher gleich nochmal so arg schätzen… Ich werde ihn loben und preisen.

  2. cora Says:

    Puh! Ja, dass ist echt krass!!!
    So viele Gegensätze!

    Da können die Urlaube nicht aufregender werden…

  3. Brischit Says:

    Der Burger war in der Tat ein Knaller. Aber der Preis für mutigste Tierfüße-im-Essen-Ignoriererin geht an dich.

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