Archive for November 2012

„Contenance in China“ oder „So, jetzt bitte Erdboden öffnen!“

November 19, 2012

Hallo meine Lieben,

gestern war ein freier Tag, zumindest was Termine anbelangt.
Zusammen mit den Kollegen war ich in einem der großen „Pearl Markets“, also eines jener Einkaufszentren in denen man jede Menge Perlen und -naja- „fake“ Artikel, also gefälschte Sachen bekommt. Die Herren haben für ihre Frauen zuhause gleich Weihnachtsgeschenke in Form dicker Perlenketten eingekauft. Wenn jemand meiner Leserschaft ein Mitbringsel aus einer der eben genannten Produktgruppen möchte, so möge er/sie nun sprechen oder für immer schweigen. 

Den heutigen Vormittag habe ich genutzt um einen der chinesischen Kollegen hier im Headoffice für ein neues Projekt zu begeistern. Nachmittags Termin mit einem unserer großen Kunden. Noch in Deutschland habe ich für unglaubliche 100 Euro Pralinen eingekauft, um sie bei Terminen wie diesen mehr oder weniger feierlich zu übergeben. Denn was interkulturelle Kompetenz angeht, meistere ich den >> Focus-Chinaknigge mittlerweile spielend. Auf dem internationalen Parket brilliere ich nicht nur in der Pflicht, sondern auch in der Kür mit gelassener Eleganz. Wenn ich das mal so sagen darf. Manchmal allerdings, so wie heute, ist das Leben ein komplexes, hinterlistiges Biest…

Ich fange mal so an: Mein Schnupfen, bzw. um genau zu sein, meine gnadenlos laufende Nase allein, stellt in China bereits eine gewisse logistische Herausforderung dar. Sich in der Öffentlichkeit die Nase zu putzen oder noch schlimmer gar, zu schneuzen, ruft in etwa die gleichen verständnislosen Blicke hervor, wie bei uns das beherzte Hochziehen eines „Lungaharings“ (nein, ich übersetze das jetzt nicht! Bitte den Begriff aus dem Kontext erschließen!) aus den tiefsten Tiefen des Bronchialsystems.
Wir saßen also im Konferenzzimmer und ich musste mich notgedrungen schnell auf die Toilette stehlen, um mir die Nase zu putzen. Und weil ich eh schon da war, benutze ich eben auch noch die Toilette. Es war eine von diesen Amerikanischen, deren Wasserverbrauch den Deutschen die Tränen in die Augen treibt. Ein weiterer Unterschied zum deutschen System: es läuft erst mal noch mehr Wasser ein, bevor alles (meist mit einem lauten schmatzenden Sauggeräusch) abgezogen wird. Naja, so sollte es eigentlich funktionieren, wenn man die Spülung abzieht. Hat es aber nicht. Der Wasserspiegel stieg langsam an, mein Unterkiefer senkte sich langsam ab. Das Klosett lief voll bis unter den Rand. Und das laute Schmatzsauggeräusch kam nicht. Das ist der Albtraum! Das ist der Albtraum im Privatleben, aber der Ultra-Albtraum im Hosenanzug!
Ich bin schnell raus aus der Kabine und habe ein buddistisches Stoßgebet an den Himmel gerichtet. Händewaschen und dann weg hier! Ich fand nicht, dass ich den Einhandmischer so dolle bewegt hab. Er aber wohl schon, denn nun hatte ich den Hebeln in der Hand. Das Wasser lief volles Rohr aus dem Hahn und ich betrachete mich fassungslos mit diesen Hebel… in meiner Hand… auf Augenhöhe… im Spiegel des Waschbeckens…
OK, denk dran, Du bist ein Ingenieur… you can fix it! Umständlich versuchte ich den Hebel wieder zu befestigen… naja… ich steckte ihn einfach wieder drauf und bin dann wirlich sehr sehr schnell aus diesem Klo raus.
Wow, geschafft!
Das Erfolgsgefühl dauerte genau so lange an, bis ich die Tür zum Konferenzraum öffnete. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass ich die einzige Frau war? Unter sieben Männern aus drei Nationen? Was da auf dem Flur vor dem Tisch lag war eindeutig ein original verpackter, deutscher O.B.. Er musste mir vorher aus der Hosentasche gerollt sein.
Ich kann nicht sagen, ob meine Gesichtszüge in diesem Augenblick völlig entgleist sind… aber dieser O.B. da auf dem Boden hatte die visuelle Wucht einer Dampflokomotive in voller Fahrt. Spontan dachte ich an meine >> bisherigen O.B.-Erlebnisse. Oh mann….

Jetzt ist es inzwischen Abend und ich will eigentlich nur noch Essen und schnell schlafen, bevor noch Peinlicheres passiert 😉

Bis bald,
euer Ambitionsmädchen

Kontraste

November 17, 2012

Hallo meine Lieben,

der Tag heute hat ja früh angefangen. Nachdem ich euch fertig geschrieben habe, bin ich in den Fitnessraum. Der ist um sechs Uhr morgens natürlich noch leer doch dank bester Ausstattung auch allein sehr angenehm.
Das Frühstücksbuffet in unserem Hotel spiegelt alle kulinarischen Präferenzen dieser Welt ab. Von -natürlich- chinesischem über amerikanischem, thailändischen, japanischen und kontinentalen Frühstück ist alles dabei.
Klar sind Frühstücksbuffets im Hotel meist immer ein Augenschmaus, doch hier qiekt das knackige Obst auch noch regelrecht „Iss mich!“. Dass die Granny Smith Äpfel dann doch nur dekorative Elemente aus Plastik sind, die ich schnell wieder zurückgelegt habe, hat hoffentlich wirklich nur die eine Angestellte gesehen. Sie hat sich verschüchtert die Hand beim Grinsen vor den Mund gehalten. Ich sehe beim „Ertappt-werden“ wahrscheinlich nicht besonders weltgewandt aus…
 
Ich bin außerdem froh, dass nur mein (seit neuestem Duz-)Kollege am Tisch sitzt, als ich erst Müsli, dann >>Dumplings mit Backed Beans und Sushi im Anschuß kombiniere. In meinem Bauch schwimmt noch lange der Cappuchino-Milchschaum oben drauf. Hilft nix, bei sowas muss ich einfach alles ausprobieren.

Wir machen uns auf zu einer 2,5 stündigen Tour in den Westen, um einen potentiellen Lieferanten zu besuchen. An der Autobahnabfahrt wartet er schließlich schon auf uns, um uns dann weitere 7 km durch Dörfer in die Pampa zu geleiten. Links und rechts von uns züchten die Bauern hunderte von Enten in kleinen Teichen. In einem der Dörfer stehen drei aufgetakelte junge Mädchen am Strassenrand und es ist offensichtlich, was sie anbieten. Wer hier aufwächst, hat nichts vom Leben zu erwarten.
Als wir bei der kleinen Firma ankommen, muss ich schlucken. Der Hof ist voller Matsch, durch den die Gänse watscheln. Dahinter schäbige Behausungen, in denen die wenigen Arbeiter wohnen. An den Leinen vor der Tür hängt Kinderkleidung. Der Chef im Auto vor uns steigt schließlich aus seinem VW Passat. Er spricht gerade am iPhone.

Er zeigt uns seine Anlagen und wir gehen vorbei an den Gänsen in eines seiner beiden Büros oberhalb der Baracken. Der Raum ist funktional, kahl und so kalt, dass ich den Mantel anbehalte. Bei Tee aus Pappbechern werden Details geklärt. Er verspricht ein Angebot bis nächster Woche und lädt uns zum Mittagessen ein.
Als wir beim Restaurant ankommen, fällt mir wieder eine Wäscheleine auf. Diesmal hängt dort nicht nur Kinderunterwäsche sondern direkt daneben auch das Schweinefleisch und ein halbes Huhn zum Trocknen.


Ich nehme mir vor, heute nur vegetarisch zu essen. Die Küche ist ländlich, das heißt gut, aber einfach und für manchen Europäer vielleicht auch derb. Aus der Hühnersuppe schauen die Füsse raus (ich nehme mir höflich, aber nur vom Sud), auch bei der Ente ist von Hals bis Fuß noch alles zu haben und beim Fischtopf denke ich spontan an ein maritimes Massaker. Nachdem ich gesehen habe, wie unser Chaffeur bei den Skrims den Kopf aussaugt, greife ich beherzt zu gedünsteten Mangold und Tofu. Der Schnapsrunde kann ich mich nicht entziehen, wobei ich finde, dass ich noch am Besten dabei weggekommen bin. Ein kleiner Junge, er gehört wohl zum Restaurant, lugt um die Ecke in unser Speisezimmer und sieht uns neugierig an. Die Fremden essen vom Besten, was es weit und breit zu bieten gibt.
Man verabschiedet sich höflich, dankt vielmals für alles und verspricht sich bald weiter abzustimmen.

Ich sitze im Auto während ich dies schreibe, neben mir zwei trunken schlafenden Kollegen. Je näher wir wieder an Shanghai kommen, desto voller werden die Highways. Es gibt ausschließlich neue Autos auf den Straßen. Nur die gehobene Mittelklasse kann es sich hier überhaupt leisten ein Auto zu fahren. Allein das Shanghai’er Nummernschild kostet aktuell 16.000 Euro.
Was nehme ich mit von diesem Tag? Vielleicht das: Ich bin gut weggekommen, im Leben.

Bis bald,
euer Ambitionsmädchen

Der rote Drache schläft noch

November 17, 2012

Hallo meine Lieben,

ich schreibe euch aus meinem überaus ausladenden und gemütlichen Hotelbett in Shanghai. Es ist kurz nach fünf Uhr morgens und ich kann nicht mehr schlafen. Zu guter Letzt habe ich gottseidank herausgefunden, wie ich auch in China das eigentlich gesperrte WordPress benutzen kann 🙂

Draußen ist es noch Nacht. Jetzt ist es 19 Stockwerke unter mir ganz leer. Bis in den späten Abend hat sich hier noch der Verkehr wie ein chinesischer Drache durch die Hochhausgassen gefressen. Nach dem Flug ging es direkt in unsere chinesische Zentrale. Von dort zu einem Labor, das Dienstleistungen für uns übernehmen soll, von dort zurück ins Büro und Treffen mit einem potentiellen Lieferanten. Zusammen mit den deutschen Kollegen (sie sind – wie so oft – alt genug, um jeweils mein Vater sein zu können) laufen wir abends zu einem Restauraunt und bereuen, nicht das Taxi genommen zu haben, denn die Nässe und die Kälte kriechen innerhalb kürzester Zeit in unsere Mäntel. Während ich permanent auf den Gehweg blicke, um nicht in eine der riesigen Wasserpfützen zu steigen, huschen am Boden kleine Schatten an mir vorbei; vorbeifliegende Ahornblätter im Licht der Autos, Reklamen und Laternen.

China hat seinen ganz eigenen Geruch. Für mich ist es der Geruch von Abgas, kaltem Metall und dampfender Nudelsuppe. Es liegen vielleicht anstrengende, aber auch aufregende drei Wochen vor mir!

Bis bald,
euer Ambitionsmädchen

Gerne auch mit Gelegenheit zur Umweltexploration

November 10, 2012

Hallo meine Lieben,

ich wäre gerne viel öfter hier! Wie war das, alles braucht seinen Platz? Hier habe ich es mir so schön eingerichtet und weiß, wo alles liegt, selbst blind.
Schon steht eine nächste große Reise bevor und ich weiß jetzt schon, Facebook, WordPress, Youtube, das alles wird nicht funktionieren. Vielleicht finde ich diesmal raus, wie ich’s mit einem Proxy umgehen könnte.


Ich bin ganz zuversichtlich, dass ich diesmal auch Gelegenheit habe, ein bisschen was von der Landschaft zu sehen. Ich war noch nie in Zentralchina. Das wird spannend und mir kribbelt es schon in den Fingern.

Bis bald,
euer Reisemädchen

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Just listening:
>> Nikka Costa – Like A Feather
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Markenprodukte mit Basisinformation

November 2, 2012

Hallo meine Lieben,

ich überbrücke den Tag im spätherbstlichen Bayern. Das wunderbare Erlebnis von Freizeit wurde durch den nachmittäglichen Sockenkauf noch gekröhnt. Als ich die Socken von ihrer (womöglich unfreiwilligen? who will ever know?) Bindung befreite, fiel mein Blick auf nachfolgenden, wertvollen Verbraucherhinweis.

Am Sonntag geht es wieder mit dem Zug zurück nach Stuttgart. Hoffentlich mit ein bisschen Zeit, um meine Handytastatur ihrer Bestimmung gemäß voll auszunutzen… für euch! 😉

Bis bald,
euer Ambitionsmädchen


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