Archive for Oktober 2010

Dank TV-Zeitschrift Direkteinstieg ins polnische Fachvokabular

Oktober 22, 2010

Dzień dobry meine Lieben,

das heißt „Guten Morgen“ auf polnisch. Gestern habe ich einen der polnischen Monteure mit der Handbewegung „etwas zerbrechen“ darauf hinweisen wollen, dass der einzige Strahler in Reichweite kaputt ist und ohne Licht wird’s in den dunklen Ecken schwierig. Das mit dem kaputt hat er dann auch verstanden als er den Strahler schüttelte und der rasselte wie ein Babyspielzeug.
Daraufhin habe ich mir heute Morgen eine kleine Liste mit den wichtigsten Begriffen zusammengestellt. Vielleicht mag es ja altmodisch klingen, aber ich finde es wichtig, den Leuten in Landessprache wenigstens ein „Hallo“, „Danke“ und „Bitte“ sagen zu können. (Die Worte „schweißen“ und „Licht“ stehen ingenieureshalber allerdings auch schon auf meiner Liste ) 
Seit dem Teenager-Alter konnte ich immer nur den Satz „Do widzenia, do jutra“ (Auf Wiedersehen bis morgen). Warum? Ich las damals in unserer Fernsehzeitung mal von einem >> polnischen Film aus den 60igern, mit eben diesem Titel. Der Originaltitel stand auch dabei und so übte ich so lange, bis ich es schließlich auswendig konnte. Natürlich nicht ganz ohne Hintergedanken. Ich wollte eine Polin beeindrucken in die ich damals tierisch verschossen war. 😉 Nachhaltig imponiert hat es sie dann leider doch nicht. Meine unsterbliche Liebe zu ihr erlag sodann irgendwann – von selbst – einem natürlichen Tod durch Verwelken. Ja ja… so war das…

Was mache ich denn nun mit meiner Liste? Ich weiß ja kaum, wie ich die Begriffe richtig ausspreche… jasny gwint!  (So ein Mist!) … wobei… ich werde mal den Jarek fragen 😉

Viele Grüße von
eurem Ambitionsmädchen

Und da war sie

Oktober 21, 2010

weg vom Fenster!

Hallo meine Lieben,
zwei Tage schlimm Schnupfen und Bett, doch nun schon wieder mit festem Stand (und einem „Päckle“ Tempo) auf der Baustelle 😉  Immerhin konnte ich bei der Gelegenheit ein Buch mit einer sehr spannenden Kapitalismus-Idee fertiglesen: „Jennifer Government“, bzw. im Deutschen >>“Logoland“ von Max Barry. Ein Dank an Fachnir, für den guten Tipp!
Bei Gelegenheit werde ich mir auch diese Seite dazu mal noch näher anschaun: >> http://www.nationstates.net/

Bis bald,
euer Ambitionsmädchen

Zwischen Zi**elklatschern

Oktober 18, 2010

Hallo meine Lieben,

ich schreibe euch aus dem Delirium. Zumindest fühle ich mich so. Ich bin bis oben hin mit (natürlich) natürlichen Drogen gegen Erkältungssymptome vollgepumpt. Fast wäre ich wieder >> an einem Beipackzettel gescheitert.

Bereits am Wochenende war mein Zustand arg grenzwertig. Um Haaresbreite hätte ich Doris Day und Charlie Chaplin einen Korb geben müssen, aber das nur ein kleiner Insider am Rande. By the way: der Zorro kannte Doris Day nicht. Hat man sowas schon gehört? Kennt jemand ein härteres Wort als „Fassungslosigkeit“? So eines bräuchte ich nämlich und sofort(!) eine DVD-Collection mit dem Besten von unserer guten Doris und (Gott hab ihn seelig!) Rock Hudson. Aber moment mal, ich war ja gerade noch beim Delirium, bzw. auf der Baustelle.

Die letzte Woche war ein „gutes Realitätserlebis“. Es ist schon hart. Es gab unschöne Diskussionen, da ich die Wahrnehmung der Herren, ich wäre vom Headquarter als Sekretärin entsandt worden, korrigieren musste. Das ist die …nette Formulierung.

Ab nächste Woche beginnt die Inbetriebnahme, d.h. Komponenten, wie z.B. die Fördertechnik, Roboter etc. werden hochgefahren, kalibriert und getestet. Meine offizielle Aufgabe ist es, genau diesen Prozess bis zur Abnahme durch den Kunden „Automen“ zu unterstützen und mit zu koordinieren. Heute Vormittag gab es eine interne Besprechung und ich bin froh, daß meine Funktion endlich auch in offizieller Runde vom Projektleiter ausgesprochen wurde. Nie in meiner gesamten beruflichen Laufbahn habe ich erlebt, daß Organigramme und Funktionszuordnungen so wichtig sind wie hier auf einer Baustelle. Vielleicht weil Erfolg und Mißerfolg, Fortschritt und Stillstand hier sehr schnell und unmittelbar nachverfolgbar sind. Seltsamerweise habe ich bei Gesprächen mit der Firma Redhead keinerlei Probleme auf Augenhöhe respektiert zu werden.  Selbst den Kunden musste ich in einer Dreierrunde schon einmal darauf hinweisen, dass er sich auch gerne mit mir direkt unterhalten darf, anstatt mit dem Bauleiter neben mir in der dritten Person über mich zu sprechen.  Doch weiter im Programm, ich will euch schließlich nicht mit Gejammere langweilen!

Vor mir liegt ein Verfahrensschema mit einer Abmessungen von 0,8 auf 2 Meter; es ragt jedenfalls weit über meinen Tisch links und rechts hinaus. Da versuche ich natürlich möglichst cool drauf zu gucken, mache „jaja“ und „aha aha“ und nicke mit dem Kopf. Es handelt sich übrigens um das Schema für ein einziges Aggregat von hunderten in der kompletten Anlage. Jeder fängt mal klein an… auf 800 mal 2000 Millimeter wie der Ingenieur so sagt… 😉

Bis bald,
euer Ambitionsmädchen

Ganz schön nass hier

Oktober 12, 2010

Hallo meine Lieben,

in der „Zeit“ las ich morgens in der Bahn einen Artikel über Autoritätsgefüge bei Affen. Und wer hätte es gedacht, die Parallelitäten zur Baustelle sind frappierend. Eine kleine soziologische Wunderwelt in die ich da schnuppern darf oder besser formuliert: Ein riesiger monströser Testosteron-Ozean indem ich noch ein bisschen ziellos treibe, viel Wasser schlucke und eigentlich doch nur versuche für’s Erste nicht unterzugehen. Hier tobt ein Hierarchiesturm. Termine blitzen über mir, Restpunkte grollen. Machowellen reißen mich erst hoch hinauf und im nächsten Augenblick stürze ich tief in die Talsohle zurück. Ein gewaltiger Schwall Gischt aus maskulinem Chauvinismus über den Kopf und dann…  abschütteln und einfach so tun, als wäre nichts passiert. Ganz souverän. Wie sang Fischdame Dory doch so schön: >>“Einfach schwiiimmen! Einfach schwiiimen!“

Eine frühzeitige, optimale soziale Positionierung unter den Männern ist wichtig! Ich  konzentriere mich regelrecht darauf besonders aufrecht zu gehen, damit ich größer wirke. In Gruppen selbstredend immer gleichauf mit den Männern laufen und möglichst nicht dahinter. Meinen Helm ziert inzwischen ein Namenschild (nur die Wichtigen haben einen Namen auf dem Helm); ich habe mir die offizielle Baustellenjacke besorgt (Anschluß an die Gruppe durch gleiche äußere Merkmale) und habe nun auch immer einen Meterstab dabei. (Notiz im Geiste: demnächst ein Metall-Bandmaß besorgen! Beobachtung: Ist besser; dem Träger wird noch mehr Kompetenz zugesprochen!)

Soviel für heute, ich muss jetzt wieder weiterschwimmen 😉

Bis bald,
euer Ambitionsmädchen

Die kulinarische Entdeckung

Oktober 8, 2010

Hallo meine Lieben,

auf so einer Baustelle vergeht die Zeit wie im Fluge. Gerade komme ich von der Curry-Wurst-Bude, die hier um’s Eck prosporiert. Auf eine Art und Weise ist sie schon wieder malerisch. Dem Verkäufer fehlen vorne zwei Schneidezähne, die Bierbänke ziert eine Blümchenplastikdecke und die Fliegen kreisen träumend um den Abfalleimer. Was für ein Event-Farbfleck im Bauhallen-Grau! Aber das muss so sein und irgendwie ist es auch einfach so schön ehrlich!

Themawechsel: Der Jarek ist der Chef von den Polenjungs. Klein ist er und in den Jahren auf der Baustelle hat er schon viel getragen, seine gebeugte Statur ist Zeuge. Wenn er lacht, dann nur schüchtern verschmitzt und seine rote Knubbelnase strahlt dann. Zumindest in der Vergangenheit war der Alkoholkonsum offensichtlich „entgrenzt“. Beim ersten Durchlauf durch die Halle dachte ich ja: „Hey, ein paar käsig hagere Twilight-Vampire“, war aber dann doch sein Bautrupp. Die Kerls brauchen dringend mal wieder ein paar warme Sonnentage an der Ostsee! Ich will gar nicht wissen, wann die meisten ihre Familien zuletzt gesehn haben. Wir sind auf einer deutschen Baustelle, aber trotzdem will ich gar nicht wissen, zu welchen Konditionen die Jungs hier rackern.

Als nächstes soll ich mich um Trägerschrott kümmern. Man darf sich auch für die kleinen Aufgaben nicht zu groß sein 🙂

Bis bald,
euer Ambitionsmädchen


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