Gedanken von gestern

19.05.2010 – 19:00 Uhr

Ich sitze erschöpft in einem abgelegenen Bistro am Frankfurter Hauptbahnhof. Es ist keine drei Stunden her, dass ich den GMAT gemacht habe und nun warte ich auf den Zug zurück nach Stuttgart.

Draußen regnet es schon den ganzen Tag. Vor mir liegt eine angebissene Nußecke; steht ein Kaffee. Ich bin durchnässt, erschöpft und elend. Mit Tempo 150 an eine Wand zu fahren fühlt sich wohl nicht anders an. Was? Wenn? Wäre? Und nun? Vielleicht? …nur Fragen.

Blackout ist, wenn man plötzlich anfängt zu fallen. Erst wird nur der Schritt wacklig, dann bricht der Boden unter Füßen weg und schließlich beschleunigt der Geist im freien Fall. An keiner Zeile, keinem Wort, geschweige denn einem X oder einem Y oder der noch kleineren 2 vom Quadrat finden die Augen mehr Halt.

Das Geräusch beim Aufprall? Der Klick einer Maus. Das vorläufige Ergebnis. Ich spüre meinen Kopf hart aufknallen; meine Träume zerspringen in diesem Augenblick wie Kristall. Ich hatte es geahnt: ich war nicht gut; im letzten Teil der Prüfung war ich eigentlich nur noch damit beschäftigt, meine Panik unter Kontrolle zu halten.

Ich verlasse das Testcenter schnell, laufe auf die Straße und um die nächste Ecke. Ich hole tief Luft und schon beim nächsten Atemzug laufen mir Tränen über das Gesicht.

Das war’s. Nicht nur der GMAT ist vorbei. Es war alles umsonst.

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2 Antworten to “Gedanken von gestern”

  1. Zorro Says:

    Du bist die stärkste Kriegerin, die ich kenne!!!
    Daher sei nicht zu sehr traurig über ein Ergebnis, dass dir ein System aufzwingt.

    Ich könnt hier jetzt stundenlang über diesen Test ab kotzen, da ich den Zusammenhang von diesem Test und dem letztendlichen Ziel „geeignet für Managementaufgaben zu sein“ (bei denen es zum Großteil nur noch um Menschen geht, die auch nicht in kleine Kästchen passen..) nicht greifen kann.

    Ich bin mir sicher, dass dein Weg zielsicher weiter geht!!! 🙂

    Den mal ehrlich, wer will den zum Beispiel einen verklemmten, SCHNELL RECHNENDEN Menschen, der sich nicht mit anderen Menschen auseinandersetzen kann???

    Daher, KEEP COOL!!!

  2. ambitionsmaedchen Says:

    Ich mag den Zorro!

    Der schlimmste Schock ist schon vorüber. Ich glaube, das Wichtigste, was ich gelernt habe ist nicht, schnell zu rechnen oder englisch verfasste, wissenschaftliche Texte auf Argumentationsschwächen hin zu analysieren. Die eigentliche Erkenntnis, ist eine ganz andere: kein blöder Test der Welt ist es wert , die Menschen um einen herum (und auch sich selbst) so zu vernachlässigen, wie ich es die letzten Monaten getan habe.

    Bleib mir bloß weg GMAT! Ich habe hier ein Leben zu leben! 😉

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