Archive for 29. Mai 2009

Neue Stars in der Perioden-Szene

Mai 29, 2009

Hallo meine Lieben,

alle meine deutschen Kollegen haben „es“ schon getan. Weil es schön unkompliziert und ja so günstig ist. Keine Angst! Es ist eigentlich wie zuhause. Aha…

Ich war beim Zahnarzt… hier in Indien…
Die Broschüre mit den vielen bunten strahlenden Smilies vorne drauf war zumindest so hochwertig, dass man davon ausgehen muss, indische Dentisten verdienen nicht schlecht. Wer mich etwas kennt, weiss dass ich bei diesem Thema hohe Ansprüche stelle. Ich wählte die Nummer auf der Rückseite. >> Meine Zahnärztin hat die Messlatte einfach schon verdammt hoch gelegt. Musste ja direkt gleich wieder an sie denken… Wie Sie sich lächelnd mit ihrem güldenen Locken über den Behandlungsstuhl (und mich) beugt, den Mundschutz cool am Kinn geklemmt. Die Zahnarztleuchte strahlt sie von hinten an und zaubert ihr eine Aura, wie bei einem Madonnen-Porträt. Ohne den Blick von mir abzuwenden greift Sie zum kleinen Mundspiegel und setzt an um zu sagen: „Whendoyouwantaappointment?“ Schon hat mich die brutale Realität wieder eingeholt. „Ähh…“ hörte ich mich leicht dämlich sagen und nach einem kurzen Moment war ich wieder soweit gefasst, dass ich meinen Wunsch nach einem „short check and a professional cleaning“ loswerden konnte. Am nächsten Abend 18. Uhr war es soweit.

Hätte ich gewußt, dass die Praxis 6 Kilometer (durch Chennai-Stadt bei Rush-Hour) von meinem Appartment entfernt ist, hätte ich sicherlich nicht erst fünf vor sechs eine Rishka aufgehalten. Sagenhafte nur zehn Minuten zu spät kam ich in der überraschend modernen Zahnklinik an. Als ich ankam musste ich zunächst einen Kontaktbogen ausfüllen und im angenehm temperierten Sitzbereich am Empfang warten. Zwei Zeitungen lagen da zum Lesen: die „The Times of India“ und „The Hindu“. Ich griff zur Ersteren und begann zu blättern.

Auf Seite 5 blieb ich hängen. Die Überschrift hatte mich sofort gefesselt und -man möchte fast sagen- begierig begann ich zu lesen: „Menstruation cups for women from June“. Mit einer (überraschend viel Platz zugewährten) Neuigkeit sondergleichen in einem konservativen südindischen Blättchen hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Die drollige Produktbeschreibung des elastischen Bechers (bzw. der Menstruationsglocke wie es bei uns in Deutschland wenig verlockend genannt wird) zur -ich sag mal- „internen“ Anwendung war äußerst aufschlußreich und kurzweilig.
Man höre und staune: Bereits in den 30iger Jahren hatte ein Amerika ein Patent darauf angemeldet. Durchgesetzt hat es sich wohl aber offensichtlich nie so richtig. Die „Neuauflage“ wird jetzt von „Lifecell International“ auf den Markt gebracht. Soweit so gut. Nun handelt es sich bei genannter Firma um nichts  anderes als Indiens erste private Blutbank. Man erhofft sich dort in der Management-Etage, dass jede Menge Damen ihr „gesammeltes“ Blut dem Projekt „Femme“ spenden, der ersten Menstruationsblut-Bank weltweit. Dazu erhält frau ein komplettes Set mit Silikon-Cup und verschließbaren Reagenzglässchen. Ich weiß ja nicht was der werte Leser davon hält, aber meine Mimik war spätestens bei diesem Absatz schon ganz schön „unentspannt“.

„Wozu das Ganze?“ fragt man sich zurecht. Menstruationsblut sei optimal zur Stammzellen-Gewinnung, wird der Marketing-Sprecher zitiert, aber vor allem gehe es natürlich darum, indischen Frauen eine preiswerte Alternative zu anderen, verhältnismäßig teuren Hygieneartikeln zu bieten.

Als mich „Doktor John“ schließlich in sein Behandlungszimmer ruft, ist mir längst schon schlecht. Selbst wenn ich wollte… ich glaube ich könnte kein Cup-User werden. Spätestens beim Umfüllen würd‘ ich umfallen 😀

Ach so: ich hab jetzt wieder supersaubere Zähne. Das ist schön!

Tschüß und guten Morgen Deutschland!

Euer Ambitionsmädchen

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