Abuela (= Oma) bewaffnet

Hallo meine Lieben,

nachdem es schon den ganzen Tag regnete und wir ausflugstechnisch streng eingeschränkt sind, bekam Herr M.O. endlich sein original argentisches Beaf im Restaurant und wir brauchten nach den (ich scherze nicht!) 600 Gramm Fleisch pro Person erst mal eine Siesta.
Bevor ich nun (auf vielfachen Wunsch derselben Person) per Livestream das Spiel „VfB Stuttgart: FC Bayern München“ anschauen muss, nein darf (natürlich!), schreibe ich noch schnell meinen Eintrag vom letzten Mal fertig 😉

Iruya Teil 2:

Ich komme zurück an den Tisch und sage meinem Kumpanen, dass er sich keine Gedanken wegen der Cola aus dem Glas machen soll. Kurz darauf wird uns auch schon unser Essen serviert. Mein „Menüwunsch“ stellt sich als gehaltvolles, aber wirklich leckeres Stück Fleisch heraus. Bei Herrn M.O. liegt das Schnitzel etwas lieblos auf dem Teller. Wie sich nach gegenseitigem Probieren herausstellt, habe ich nicht nur optisch die bessere Wahl getroffen. Wir essen zuende und machen uns dann auf Erkundungstour durch das Dorf.

(Klick mich und Du kannst mich noch besser anschaun!)

Es liegt an einem relativ steilen Hang (alle Straßen sind mit Naturstein gepflastert) und wir schnaufen (wahrscheinlich dank der Höhenmeter) schon nach ein paar Stufen die Gasse hinauf wie zwei alte Pferde. Doch wir werden belohnt. Die Aussicht auf die Felswände ist phänomenal. Würde ich die Motive am Computer sehen, würde ich sagen, das hätte jemand in Photoshop retuschiert.

So bunt kann Stein nicht sein. Pink, Orange, Hellblau und Gelb. Wir laufen noch eine Weile zwischen den Häusern, bummeln in den kleinen Läden und ich kaufe ein kleines Stricklama für zuhause.

Die zwei Stunden gehen schneller vorbei als uns lieb ist. Zurück am Dorfplatz angekommen haben sich mittlerweile ein paar Einheimische vor der Kirche versammelt. Offensichtlich beginnt bald die Messe. Wir treffen noch einmal auf Pablo und ich kann ihn zu einem Foto überreden. Er freut sich übrigens über jede Post aus Deutschland; wer will, kann ihm daher gerne schreiben: >> pharvey_ar@yahoo.com.ar .

Mein Bauch beginnt langsam zu grummeln. Ich ahne schlimmstes und schiebe mir eine extragroße Portion Coca in die Backentasche. Wir besteigen den Bus, nichtsahnend, daß das größte Abenteuer uns erst noch bevorsteht.

Es fängt alles schon nach einer guten halben Stunde an, als wir uns den Gebirgspass wieder hinaufschlängeln. Als der Bus zum ersten Mal anhält und der Fahrer rausspringt um am Motor zu werkeln sind wir noch froher Dinge. Bis wir den Pass aber überqueren wird es noch drei weitere Male passieren, jeweils offensichtlich gravierender und jedes Mal wird es etwas länger dauern. Die beiden letzten Male hilft dann auch schon der Fahrer des uns folgenden Busses mit. Wir haben inzwischen schon doppelt so lange gebraucht wie geplant. Nachdem aber alle (uns eingeschlossen) müde und erschöpft sind, stört es nicht wirklich jemanden. Beim fünften Mal (einige Nutzen die Gelegenheit für eine ausgiebige Raucherpause) scheinen die beiden Fahrer das Problem hinreichend gelöst zu haben und wir kommen wieder gut vorwärts. Wir sind sogar schon wieder auf der Teerstraße als es links hinten zu klappern beginnt. Es wird lauter und kommt nun ganz eindeutig aus dem Radkasten. Ein junges Girlie geht vor zum Busfahrer. Ich tippe darauf, dass er schon total entnervt ist. Er winkt ab und schickt sie wieder zurück.

Keine 2 Kilometer weiter ist das Geräuscht wirklich nicht mehr zu ignorieren und die ersten werden ernsthaft unruhig. Herr M.O. und ich total positiv eingestellt: Sollten wir verunglücken, wird es uns bestimmt nicht betreffen, weil wir ja auf der rechten Seite des Busses sitzen. Schließlich hält unserer Fahrer doch am Seitenstreifen an und besieht sich die Sache. Die Blicke zwischen den Insassen verraten: Es sind alle erstaunt, dass er das Problem nicht für gravierend erachtet und weiterfährt. Wir fahren keinen Kilometer bis das Schlackern ohrenbetäubend wird und im Passagierraum die ersten protestieren. Abermals halten wir am Straßenrand.

Draußen wird es langsam dunkel. Zwei junge Hippiemädels springen -jeweils schon eine Kippe in der Hand- aus ihren Stühlen und laufen vor zum Ausgang. Kurz bevor sie dort ankommen stellt sich ihnen plötzlich eine Oma aus der ersten Reihe in den Weg. Sie war mir bisher nur beim Einsteigen aufgefallen. Stämmig und mit dicken Brillengläsern. „Es bleiben alle hier drin!“ bafft sie die Girls an. Die sind so verdattert, dass sie sich ohne einen Mucks tatsächlich wieder kleinlaut auf ihre Plätze hocken. Die Oma versperrt den Weg auch weiterhin und blickt streng über alle Köpfe hinweg. „Wie geil“ schmunzelt Herr M.O. und auch ich kann mir ein Lachen kaum verkneifen. Sie steht einem U.S.Sergant in Ihrem Blick in nichts nach. Eine kleine Ewigkeit später kommt der Fahrer wieder herein. Er mustert die Oma kurz, zieht die Augenbraue hoch und frägt in die Menge, ob denn jemand ein Messer hätte. Und es ist kaum zu glauben: „ich habe eins!“ ruft die Oma, zückt ein funkelndes Messer aus ihrer Tasche und überreicht es dem Fahrer feierlich. Spontaner Applaus und Jubel im Bus. Der Fahrer ist sichtlich irritiert und verabschiedet sich wieder nach draußen. Alle starren neugierig aus dem Fenster. Wir zwei freuen uns. Es stellt sich heraus, dass sich Teile des Reifenmantels gelöst hatten und an den Radkasten schlugen.

Wir fahren kurz darauf weiter, doch offensichtlich ist die Situation zu brisant. Zum Schluß halten wir ein letztes Mal am Straßenrand, anscheinend hat der Fahrer einen Ersatzbus geordert.
Alle (auch die Oma) steigen um und wir kommen schließlich mit drei Stunden Verspätung in Humahuaca an. Zur Ankunft nochmals Applaus, Jubel und Pfiffe. Unser Ersatzfahrer weiß nicht, wie ihm geschieht. „Ganz weit vorn“ sagt Herr M.O. beim Aussteigen und strahlt mich an.

Spät Abends in Tilcara angekommen, lassen wir unseren Tripp nochmals Revue passieren. Wir trinken eine Flasche Wein und nehmen jeder -einfach so, ohne Grund- noch eine Kohletablette. Was für ein Tripp!

Viel Glück lieber VfB!! 😉

Euer Ambitionsmädchen

Advertisements

Eine Antwort to “Abuela (= Oma) bewaffnet”

  1. Zorro Says:

    *schmunzel*

    Die argentinische Oma ist halt noch eine richtige Autoritätsperson! 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: