„Ab jetzt mit Hut und Lappen“ oder „Ganz weit vorn“

Hallo meine Lieben,

wir sind zurück aus dem Norden und genießen bereits seit ein paar Tagen wieder den Sommer in Córdoba (Ihr erinnert euch: Asado, Fernet con Coca, Sapo, Swimmingpool (mit Rutsche), Ping-Pong, Hängematte).
Doch nicht nur das, seit heute bin ich stolze Besitzerin eines argentinischen Führerscheins! 🙂 Kaum konnte ich als bürokratie-geplagte Deutsche glauben, wie(!) einfach das hier abläuft. In 1,5 Stunden (und da ist die ärztliche Untersuchung bereits mitinbegriffen) für schlappe 60 Peso zum Lappen. Sapperlott! So genau nimmt man es hier nicht. Deshalb steht bei Nationalität auch einfach „Ausländer“.

Doch nun zum wirklich (hoffentlich zumindest) spannenderen Teil: Wie versprochen lasse ich euch auch gern wieder an unseren Reise-Erlebnissen teilhaben. Viel Spaß beim Lesen 😉

Montag/Dienstag
Abends 21.45 Uhr in Córdoba. Zusammen mit unseren voll beladenen 60-Liter Rucksäcken sitzen wir außerhalb des Terminals an unserer „Plataforma“ und erwarten die Ankunft Busses. Herr M.O. hat sich noch die letzte Zigarette für die nächsten 12 Stunden angezündet. Ganz offensichtlich ist er nervöser als ich. Wir fahren „Cama Suite“ nach Jujuy, das heißt wir werden unsere Sitze in eine absolut vertikale Position stellen können und -in den auch sonst viel besser als in Deutschland ausgestatteten Überlandbussen- schlafen können. Wir steigen schließlich ein und bekommen, während in den Bordfernsehern die größten argentinischen Schmusehits der 90iger Jahre laufen, unser Essen serviert.

Die Nacht über schlafe ich unverhofft gut. Als ich morgens aufwache sehe ich bereits den beeindruckenden Gebirgszug der Anden und wir erreichen Jujuy sogar ein bisschen früher als geplant.

>> San Salvador de Jujuy“ (so heißt die Stadt mit vollem Namen) liegt in einem großen Bergkessel auf etwa 1200 Meter Höhe. Der Busbahnhof ist an diesem Vormittag voller Reisender, Verkäufer und Polizisten. Letzteres macht mich nun deutlich nervöser als Herrn M.O.. Berlin Bahnhof-Zoo ist gegen das hier ein lauschiger Wallfahrtsort. Wir finden recht schnell ein Busunternehmen, dass uns nach „>> Tilcara„, dem eigentlichen Ziel unserer Reise bringt.

Innerhalb von 2 Stunden klettern wir in einem klapprigen Bus die Schlucht „Quebrada de Humahuaca“ auf 2400 Meter hinauf. Die Sicht ist großartig. Wir schlängeln uns durch gewaltige Berge. Erhaben sehen sie aus, wie mit grünem Samt überzogen. Der Himmel ist strahlend blau und die wenigen Wattebausch-Wolken sind gerade so knapp über den Bergen, dass sie scharfe Schatten auf das Grün werfen. Rechts von uns ein gut 100 Meter breites Flußbett, bis auf ein Rinnsal ausgetrocknet. Das Geröll lässt aber erahnen, welche Wucht hier in der Hauptregenzeit im Februar herrscht. Herrn M.O. und mir stehen die Münder offen. Ihm, weil er schläft, mir weil ich staune. Es ist wunderschön. Je weiter wir kommen, desto karger, aber auch bunter -dank der unterschiedlichen Mineralzusammensetzung- werden die Hänge. Sie sind übersäht mit ganzen Wäldern mannshoher Kakteen, als hätten sich die Berge seit drei Tagen nicht rasiert.

Tilcara selbst ist trocken und staubig, voll von jungen Bohemiens und alten Hippies. „Ganz weit vorn“, findet Herr M.O., soll heißen: ihm gefällt’s. Wir essen, suchen uns ein Hostel, buchen einen Tripp zu den Salzwüsten und sind danach auch schon direkt auf der Feria, dem Künstlermarkt, an dem die Einheimischen von Indianerkult bis -kitsch alles an den Mann bringen. Herr M.O. entscheidet sich UV-bewußt für einen Filzhut als Sonnenschutz und ich tue es ihm -neidisch auf seine fesche Kopfbedeckung- gleich nach. Als ich meinen braunen Hut aufsetze und mich in der spiegelnden Autoscheibe betrachte fühle ich mich wie eine stilvolle Mischung aus argentinischer Großgrundbe-sitzerin und Indianer Jones. Zufrieden strahle mich an und nehme in Kauf, dass Herr M.O. und ich nun endgültig und für den Rest der Reise als Pärchen wahrgenommen werden. Ich nehme noch eine der frischgebackenen Tortillas, die die Frauen hier direkt am Straßenrand in den zu Öfen umfunktionierten halben Fäßern backen. Außerdem eine Tüte Cocablätter für 2 Peso gegen die Höhenprobleme (und ein bisschen auch weil ich es -ich weiß, albern- aufregend finde).


Wir machen uns auf den Weg in das etwa 1 Kilometer außerhalb gelegene „Pucará“, ein teilrestauriertes Indianerdorf. Der erdige Weg führt über eine alte „Wildwest-Brücke“ und schon von weitem erkennt man den Kakteenwald, in dem die Ruinen liegen.
Mehr noch als das alte Dorf beeindruckt uns die Aussicht. Mittlerweile ist es Abend und die Sonne verwandelt die schorfen Berge in schillernde, mit Kakteen gespickte Hänge. Alle erdenklichen Rot- und Grautöne, Ocker, Orange und Gelb. „Ganz weit vorn“ findet er das, der Herr M.O.. Unter uns im Tal verläuft die „Ruta Nacional Nº 9“, bei der jedes Auto eine Staubwolke nach sich zieht.


Wir beenden unseren Tag bei einer Flasche Rotwein im Garten vor unserer Hostel-Unterkunft. Zufrieden und erschöpft schlafe so tief, dass ich von dem schweren Gewitter von dem mein Freund am nächsten Tag erzählt, nicht das Gerinste mitbekomme.

Bis bald,
Euer MitHutMädchen

PS: HAPPY BIRTHDAY lieber >>Luis!!! 🙂

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Just listening:
>> Marisol Y Palito Ortega – Corazón Contento
I love it! 😀
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2 Antworten to “„Ab jetzt mit Hut und Lappen“ oder „Ganz weit vorn“”

  1. Kitty Says:

    Wow… Hier hätte ich mir mehr Bilder gewünscht. Die Beschreibungen sind toll! Es grüßt aus dem verdammt verregneten Stuttgart:
    Frau Hunter

  2. ambitionsmaedchen Says:

    Liebe Frau Kittyhunter,
    dein Wunsch sei mir Befehl 😉 Ich hab noch zwei Bilder ergänzt.

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