Archive for Januar 2009

Literaten weitergehen, es gibt nichts zu sehen!

Januar 30, 2009

Hallo meine Lieben,

wer von euch auch regelmäßig bei Frau Kittyhunter vorbeischaut, hat schon gemerkt, dass sie jetzt unter der s-hip Flagge segelt. Den Link zu „Eugile in Korea“ musste ich leider löschen, weil die Gute nicht mehr in Asien weilt und ihr Blog nicht mehr erreichbar ist. In der kleinen Bloggerwelt, in der ich mich normalerweise bewege, gab es also schon gravierende Veränderungen.

Den endgültigen Anstoß aber, diesen Eintrag zu schreiben, gaben Aussagen von zwei ganz unterschiedlichen Seiten. Eine davon war, mein Blog sei ja wohl eher ein Reisebericht und überhaupt wären „private Blogs“ ganz schön langweilig. Zitat: „privates gesäusel“ und „wenn ich literatur haben will, dann les ich ein buch!“

Mit letzterem Satz hat es die Verfasserin dieser beiden Kommentare eigentlich auch schon selbst beantwortet. Ich selbst zähle Blogs nämlich genauso wenig zu (gar nicht zu reden von „höherer“) Literatur, allerdings frage ich mich bei erstaunlich vielen Printstücken auch, wer es für Wert hielt, dafür blütenweißes Papier zu verschwenden. (Und ja, Papier ist wertvoll! So wertvoll, dass wegen der Papierfabrik „Botnia“ zwischen den Ländern Argentinien und Urugay ein nicht endender Konflikt tobt. Hier werden dafür auch mal tagelang die Grenzübergänge und die Flughäfen blockiert. Dass Greenpeace schier Amok läuft muss ich wohl nicht erwähnen?! Aber im Moment auch egal, denn darum soll es jetzt nicht gehen.)

Was macht ein Blog? Meiner will nur unterhalten und da hat er schon mindestens 75% mit allen(!) anderen Medien gemein. Andere wollen informieren, aufdecken, anregen, journalistisch profund berichten. Und das ist toll und wichtig. Ich bin schon froh, wenn ich meine Gedanken in -wenigstens einigermaßen- nachvollziehbaren Sätzen in die digitale Welt überstellen kann. Soweit es geht, will ich nicht jeden Liebeskummer erschöpfend kundtun und ich hoffe es bleibt mir erspart Lebenstragödien hiermit aufzuarbeiten. Ich will kein Geld verdienen, ich will nur spielen. Außerdem kann man sogar behaupten, dass ich mit der Rechtschreibung und Grammatik meiner Muttersprache trittsicher umgehen kann. Das gibt mir schon mehr virtuelle Daseinsberechtigung als so manch anderen. Dieser Blog lebt, weil mich Schreiben entspannt -sogar noch mehr als Kochen- und ich es einfach gern tue.

Es gehört auch dazu, dass ich von meinen Erlebnissen in 13.000 Kilometer Entfernung erzähle, weil ich das Glück hatte durch ein Stipendium hierher zu kommen. Ich tue es, weil es für mich besonders ist, ich dafür dankbar bin und weil ich meine Familie und Freunde zuhause daran teilhaben lassen will. Es ist das Mindeste was ich tun kann. Aber eben nur „unter anderem“.

Ich bin keine Stuttgarterin, aber ich lebe dort einfach gerne und ich mag die Stadt. Eigentlich komme ich aus Bayern und wenn nicht gerade wieder ein ganz seltsamer Typ zum Ministerpräsidenten gewählt wurde, bin ich auch Stolz darauf. Ich bin mit einer Frau zusammen, aber genauso wenig wie mein Leben und ich mich ausschließlich darüber definieren, will ich nicht nur dazu schwadronieren.

Wir sind alle frei zu sprechen und zu schreiben. Genauso wie zuzuhören oder zu lesen. Wer meint er sei Kapazität genug, über Wohl und Wehe zu urteilen, dem wünsche ich schon mal alles Gute für den weiteren Lebensweg.

Ich sage: „Ein Hoch auf die Liberalität!“

Euer Ambitionsmädchen

Ausgleich Stuttgart

Januar 29, 2009

Hallo meine Lieben,

wie wir alle wissen, hat der VfB nicht… ganz so gut gespielt, wie wir es uns alle gewünscht haben.

Wenigstens haben Herr M.O und ich unser Bestes gegeben. Zum Abschieds-Cena (= Abendessen) für meinen alten Freund gab es gestern im Park noch >>Choripán, eine Mischung aus Burger und Wurstbrot.
Die Anwältin kam auch vorbei und fragte, ob wir ihr denn im Anschluß noch ein bisschen beim Spielen zusehen wollen, sie ginge jetzt nämlich noch zum Kicken.
Und weil Herr M.O. seinen Kumpels auch von argentinischem Fußball vorschwärmen wollte (egal welchem!), kamen wir natürlich mit. Unerwarteterweise wurden wir direkt nach der Ankunft aber spontan -mangels Spielerinnen- von Zuschauern zu Torwarten umfunktioniert. Das war für mich in Kleidchen und Flipflops etwas… schwierig.

Ich gab alles, doch trotz vollem Körpereinsatz (mein großer Zeh hat sogar geblutet!) musste ich 6 Tore einstecken. Mein Besuch hat das alles etwas besser gemeistert.
So kam es, dass nach 1,5 Stunden der gefeierte Star zwischen lauter argentinischen Fußball-Mädels ausgerechnet ein Native-Schwabe wurde.

Es hat ihm, glaube ich, so die Seele poliert, dass das 5:1 gegen Bayern auch schon fast vergessen ist. 😉

Bis bald,
euer Ambitionsmädchen

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Just listening:
Franz Beckenbauer – Gute Freunde kann niemand trennen
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Abuela (= Oma) bewaffnet

Januar 27, 2009

Hallo meine Lieben,

nachdem es schon den ganzen Tag regnete und wir ausflugstechnisch streng eingeschränkt sind, bekam Herr M.O. endlich sein original argentisches Beaf im Restaurant und wir brauchten nach den (ich scherze nicht!) 600 Gramm Fleisch pro Person erst mal eine Siesta.
Bevor ich nun (auf vielfachen Wunsch derselben Person) per Livestream das Spiel „VfB Stuttgart: FC Bayern München“ anschauen muss, nein darf (natürlich!), schreibe ich noch schnell meinen Eintrag vom letzten Mal fertig 😉

Iruya Teil 2:

Ich komme zurück an den Tisch und sage meinem Kumpanen, dass er sich keine Gedanken wegen der Cola aus dem Glas machen soll. Kurz darauf wird uns auch schon unser Essen serviert. Mein „Menüwunsch“ stellt sich als gehaltvolles, aber wirklich leckeres Stück Fleisch heraus. Bei Herrn M.O. liegt das Schnitzel etwas lieblos auf dem Teller. Wie sich nach gegenseitigem Probieren herausstellt, habe ich nicht nur optisch die bessere Wahl getroffen. Wir essen zuende und machen uns dann auf Erkundungstour durch das Dorf.

(Klick mich und Du kannst mich noch besser anschaun!)

Es liegt an einem relativ steilen Hang (alle Straßen sind mit Naturstein gepflastert) und wir schnaufen (wahrscheinlich dank der Höhenmeter) schon nach ein paar Stufen die Gasse hinauf wie zwei alte Pferde. Doch wir werden belohnt. Die Aussicht auf die Felswände ist phänomenal. Würde ich die Motive am Computer sehen, würde ich sagen, das hätte jemand in Photoshop retuschiert.

So bunt kann Stein nicht sein. Pink, Orange, Hellblau und Gelb. Wir laufen noch eine Weile zwischen den Häusern, bummeln in den kleinen Läden und ich kaufe ein kleines Stricklama für zuhause.

Die zwei Stunden gehen schneller vorbei als uns lieb ist. Zurück am Dorfplatz angekommen haben sich mittlerweile ein paar Einheimische vor der Kirche versammelt. Offensichtlich beginnt bald die Messe. Wir treffen noch einmal auf Pablo und ich kann ihn zu einem Foto überreden. Er freut sich übrigens über jede Post aus Deutschland; wer will, kann ihm daher gerne schreiben: >> pharvey_ar@yahoo.com.ar .

Mein Bauch beginnt langsam zu grummeln. Ich ahne schlimmstes und schiebe mir eine extragroße Portion Coca in die Backentasche. Wir besteigen den Bus, nichtsahnend, daß das größte Abenteuer uns erst noch bevorsteht.

Es fängt alles schon nach einer guten halben Stunde an, als wir uns den Gebirgspass wieder hinaufschlängeln. Als der Bus zum ersten Mal anhält und der Fahrer rausspringt um am Motor zu werkeln sind wir noch froher Dinge. Bis wir den Pass aber überqueren wird es noch drei weitere Male passieren, jeweils offensichtlich gravierender und jedes Mal wird es etwas länger dauern. Die beiden letzten Male hilft dann auch schon der Fahrer des uns folgenden Busses mit. Wir haben inzwischen schon doppelt so lange gebraucht wie geplant. Nachdem aber alle (uns eingeschlossen) müde und erschöpft sind, stört es nicht wirklich jemanden. Beim fünften Mal (einige Nutzen die Gelegenheit für eine ausgiebige Raucherpause) scheinen die beiden Fahrer das Problem hinreichend gelöst zu haben und wir kommen wieder gut vorwärts. Wir sind sogar schon wieder auf der Teerstraße als es links hinten zu klappern beginnt. Es wird lauter und kommt nun ganz eindeutig aus dem Radkasten. Ein junges Girlie geht vor zum Busfahrer. Ich tippe darauf, dass er schon total entnervt ist. Er winkt ab und schickt sie wieder zurück.

Keine 2 Kilometer weiter ist das Geräuscht wirklich nicht mehr zu ignorieren und die ersten werden ernsthaft unruhig. Herr M.O. und ich total positiv eingestellt: Sollten wir verunglücken, wird es uns bestimmt nicht betreffen, weil wir ja auf der rechten Seite des Busses sitzen. Schließlich hält unserer Fahrer doch am Seitenstreifen an und besieht sich die Sache. Die Blicke zwischen den Insassen verraten: Es sind alle erstaunt, dass er das Problem nicht für gravierend erachtet und weiterfährt. Wir fahren keinen Kilometer bis das Schlackern ohrenbetäubend wird und im Passagierraum die ersten protestieren. Abermals halten wir am Straßenrand.

Draußen wird es langsam dunkel. Zwei junge Hippiemädels springen -jeweils schon eine Kippe in der Hand- aus ihren Stühlen und laufen vor zum Ausgang. Kurz bevor sie dort ankommen stellt sich ihnen plötzlich eine Oma aus der ersten Reihe in den Weg. Sie war mir bisher nur beim Einsteigen aufgefallen. Stämmig und mit dicken Brillengläsern. „Es bleiben alle hier drin!“ bafft sie die Girls an. Die sind so verdattert, dass sie sich ohne einen Mucks tatsächlich wieder kleinlaut auf ihre Plätze hocken. Die Oma versperrt den Weg auch weiterhin und blickt streng über alle Köpfe hinweg. „Wie geil“ schmunzelt Herr M.O. und auch ich kann mir ein Lachen kaum verkneifen. Sie steht einem U.S.Sergant in Ihrem Blick in nichts nach. Eine kleine Ewigkeit später kommt der Fahrer wieder herein. Er mustert die Oma kurz, zieht die Augenbraue hoch und frägt in die Menge, ob denn jemand ein Messer hätte. Und es ist kaum zu glauben: „ich habe eins!“ ruft die Oma, zückt ein funkelndes Messer aus ihrer Tasche und überreicht es dem Fahrer feierlich. Spontaner Applaus und Jubel im Bus. Der Fahrer ist sichtlich irritiert und verabschiedet sich wieder nach draußen. Alle starren neugierig aus dem Fenster. Wir zwei freuen uns. Es stellt sich heraus, dass sich Teile des Reifenmantels gelöst hatten und an den Radkasten schlugen.

Wir fahren kurz darauf weiter, doch offensichtlich ist die Situation zu brisant. Zum Schluß halten wir ein letztes Mal am Straßenrand, anscheinend hat der Fahrer einen Ersatzbus geordert.
Alle (auch die Oma) steigen um und wir kommen schließlich mit drei Stunden Verspätung in Humahuaca an. Zur Ankunft nochmals Applaus, Jubel und Pfiffe. Unser Ersatzfahrer weiß nicht, wie ihm geschieht. „Ganz weit vorn“ sagt Herr M.O. beim Aussteigen und strahlt mich an.

Spät Abends in Tilcara angekommen, lassen wir unseren Tripp nochmals Revue passieren. Wir trinken eine Flasche Wein und nehmen jeder -einfach so, ohne Grund- noch eine Kohletablette. Was für ein Tripp!

Viel Glück lieber VfB!! 😉

Euer Ambitionsmädchen

Iruya

Januar 23, 2009

Hallo ins kalte Deutschland!

Ich bin inzwischen eine Profi-Pool-Putze und werde demnächst Geld für diesen Service verlangen. Die Zeit in diesem wunderschönen Haus tut gut, ich genieße den unverhofften Luxus sehr. 🙂

Heute also die Fortsetzung:

Mittwoch
Wir haben ein Ziel: Iruya. Beim Frühstück im Hostel erklärt uns die Angestellte, dass es von Humahuaca aus täglich nur einen Bus in die abgelegene kleine Stadt gibt. Humahuaca wiederum liegt nur etwa 1 Busstunde nördlich von Tilcara, unserer „Basis“. Wir machen uns auf, trotz der Zweifel, ob wir am gleichen Tag eine Rückfahrmöglichkeit finden und Donnerstag rechtzeitig für die Tour zur Gran Salina (dazu an einem der nächsten Tage mehr) zurück sein werden. In einer kleinen Farmacia kaufen wir noch -ganz ohne Grund… einfach so…- eine Packung Kohletabletten.

Die Fahrt nach Humahuaca ist nicht weniger beeindruckend als die Anreise. Je weiter wir den weitgestreckten Serpentinen nach Norden folgen, desto mehr ändert sich das Landschaftsbild und die Schlucht öffnet sich zu einer Hochebene.

In der Stadt am Busbahnhof angekommen, schließlich die große Überraschung. Zeitgleich mit uns hatten geschätze 400 Dreadlock- und Rastastudenten die selbe Idee wie wir. Alle wollen nach Iruya. Es gibt außerdem nicht einen sondern gleich 6 Busse, die diese Route fahren. Dumm nur, dass an den Ticketschaltern bis auf’s Blut um die raren Fahrkarten gekämpft wird. Mein Hut strahlt wohl Autorität aus, denn tatsächlich drängelt sich (und zwar nur an mir) kein junges Göhr vorbei. Ich ergattere für den letzten Bus noch 2 Karten. „Wann fährt er ab?“ „Jetzt!“ Wann denn die Rückfahrt sei, frage ich bevor ich weggeschubst werde. Ich höre gerade noch wie sie mir „Da müssen Sie schon in Iruya fragen!“ zurückruft. Der Rest geht im Geraune der Masse unter. Ich kämpfe mich aus dem Menschenauflauf frei und sehe schon (dank Hut) Herrn M.O. in der Menge aus Fahrgästen und Essensverkäufern. Links und rechts hält er stolz zwei frisch erworbene Wasserflaschen hoch. Ich bedeute ihm, dass wir sofort(!) zum Bus laufen müssen. An den Plattformen fahren schon die ersten der bunten Busse ab, die anderen laden noch das Gepäck der Fahrgäste auf das Dach. Wir haben Glück und schaffen es noch gerade so.

Der ersten 15 Kilometer der Strecke fahren wir noch auf geteerter Straße weiter Richtung Norden. Ohne dass ich Herrn M.O. damit sonderlich beeindrucken kann, schilde ich ihm, wie toll diese Landschaft doch wäre um kreuzfeldein mit meinem Motorrad zu fahren. Dabei ahme mit einer Handbewegung den Verlauf des Horizontes nach. Man könnte zum Beispiel diesen Feldweg da rein und einfach in die Berge dort fahren, ganz ohne Ziel. Er nickt während meiner Ausführungen etwas uninteressiert, bis… wir mit dem Bus in genau diesen Feldweg einbiegen.

Es ist staubig, also eigentlich wirklich nichts neues. Die 50 Kilometer  Schotterweg sind grob und führen dazu, dass wir bis Iruya durchgerüttelt werden. Im Bus hängt der aufgewühlte Staub in der Luft. Die Berge durch die wir fahren muten an wie gewaltige Geröllhaufen. Das einzige das wächst sind kleine Dornenbüsche. Bis zum höchsten Punkt auf 4000 Meter Höhe (ich kaue wie wild meine Coca-Blätter) passieren wir genau 1 Dorf, 9 einzelne Häuser (teils verlassen, teils bewohnt), nur wenige und dann auch winzige Mais- und Cocafelder, 5x das selbe Flußbett, 1 einsame Kirche (samt Friedhof), wir setzen 2x mit dem hinteren Teil des Busses auf und verlieren daher einen Auspufftopf. Ich versichere mir und Herrn M.O. „bei einem Film würde ich denken, ‚Naja, also jetzt wird’s aber unrealistisch!'“. Zufrieden lächelnd findet er es aber nur „Ganz weit vorn! Ein Abenteuer!“.

Nach knapp 2 Stunden Fahrt sind wir am Scheitelpunkt des Passes angekommen und der Busfahrer gewährt allen eine Foto- und/oder Pinkel- und/oder Rauchpause. Als ich aussteige bleibt mir schon wieder der Mund offen. Wir blicken weit in die Tiefe eines Tales von enormen Ausmaß. Wir sind so hoch, dass die Wolken auf der gegenüber-liegenden Seite in gleicher Höhe hängen. Rechts von uns ein gewaltiger roter Berg, der noch weit über sie hinausragt. Die Serpentinen weit unter uns, sehen aus wie die Kornkreis-Muster die angeblich die Ufos hinterlassen.

iruya03(Klick mich dann werde ich ein tolles Panoramabild!)

Vom Wind nur durch eine flache Steinmauer geschützt hockt etwas abseits eine junge Frau mit ihrer Tochter. Beide tragen Anorak und Mütze. Ich kaufe ihr eine kleine Holzschüssel ab und frage, ob ich sie fotografieren darf. Sie lächelt und winkt mir sogar zu. Der Busfahrer hupt schon. Ich schieße schnell das Foto und winke ihr zurück. Nachdem unser Proviantrucksack eh schon aus den Nähten platzt, hat mein Begleiter nur wenig Verständnis für meine Schüssel.

Im Reiseführer stand „die Fahrt ist nur etwas für starke Nerven“. Bei der folgenden Fahrt ins Tal wird klar warum. Die Befestigungs-Qualität des Weges nimmt zusammen mit seiner Breite und der Kurvenradien in genau der Weise proporional ab, wie die Geschwindigkeit des Fahrers und die Tiefe des Hanges der keinen halben Meter neben uns klafft zunehmen. Ich bin froh, dass wir nicht so weit vorne sitzen. Wenn der Fahrer nämlich die Kurven nimmt, ragt der Vorderteil des Busses zum Teil über den Rand hinaus. Das geht natürlich nur, weil es keinerlei Steckenplanken gibt. Ich ertappe mich bei Überlegungen, wie oft wir uns wohl überschlagen würden, bis das Gefährt zum Stilstand käme.

Wir kommen überraschenderweise nicht von der Fahrbahn ab, sondern nach einer weiteren Stunde heil in Iruya an. Ich besorge uns als allererstes zwei Rückfahrkarten und teile Herrn M.O. mit, dass wir nun genau 2 Stunden Zeit haben, bis es wieder losgeht. Anscheinend hört unser Gespräch ein leicht verwahrloster Zeitungsverkäufer. Er kommt zu uns her und spricht uns an. Wir kommen ins Gespräch und Pablo, wie er sich uns schnell vorstellt erzählt, dass er früher in Buenos Aires Deutsch studiert hat. Nun sei er ein alter Mann und bräuchte etwas mehr Ruhe, deshalb sei er seit zwei Jahren hier, veröffentlich alle 2 Monate eine kleine (wirklich sehr kleine) Zeitung und lebt von dessen Verkauf. Ich frage ihn, wo wir denn gut essen könnten und er führt uns in eine abgelegene Gasse neben dem Dorfplatz und von da aus wiederrum zu einem kleinen Eingang. Das sei ein nettes Gasthaus und hier gäbe es typische Speisen von hier. Wir bedanken uns, kaufen ihm eine Ausgabe seiner Zeitung ab und gehen durch die Tür.

Wenn man von außen die beiden kleinen Räumen betritt, müssen sich die Augen erst an die Dunkelheit gewöhnen. Es dauert einen kurzen Augenblick, bis ich die drei Tische mit Stühlen sehen kann. Der Geruch ist „authentisch“ und die vielen Fliegen… ja die gehören halt dazu. Wir bestellen von der Karte (in Wirklichkeit ein handbeschriebener, zerfledderter Karopapier-Zettel). Herr M.O. hat keine Lust auf Experimente und bestellt aus den 3 Optionen das Schnitzel. Ich bin mutiger und bestelle von dem ich glaube es noch nie in meinem Leben gelesen zu haben. (Erst beim Warten werde ich denken: „Oh je, und wenn’s jetzt Maulesen war?“)

Während Herr M.O. seine Cola genüßlich aus seinem Glas trinkt, informiere ich ihn, dass ich aus der Flasche trinken werde, weil ich keine Lust auf -sagen wir- Diarrhö habe. „Na toll, das hättest Du auch früher sagen können“ Er ist ein bisschen beleidigt und ich grinse fies.
Ich gehe noch kurz auf die (Holzverschlag-)Toilette. Als ich dazu die 2qm-„Küche“ durchlaufen muss und einen gratis Einblick in das Hygieneverständnis der Inhaberfamilie bekomme, ahne ich schon, dass es vollkommen egal ist, ob ich die Cola aus der Flasche oder dem Glas trinke.

So meine lieben, und weil das nun schon so viel ist, geht es morgen weiter. 😉

Bis bald,

euer Ambitionsmaedchen

„Ab jetzt mit Hut und Lappen“ oder „Ganz weit vorn“

Januar 22, 2009

Hallo meine Lieben,

wir sind zurück aus dem Norden und genießen bereits seit ein paar Tagen wieder den Sommer in Córdoba (Ihr erinnert euch: Asado, Fernet con Coca, Sapo, Swimmingpool (mit Rutsche), Ping-Pong, Hängematte).
Doch nicht nur das, seit heute bin ich stolze Besitzerin eines argentinischen Führerscheins! 🙂 Kaum konnte ich als bürokratie-geplagte Deutsche glauben, wie(!) einfach das hier abläuft. In 1,5 Stunden (und da ist die ärztliche Untersuchung bereits mitinbegriffen) für schlappe 60 Peso zum Lappen. Sapperlott! So genau nimmt man es hier nicht. Deshalb steht bei Nationalität auch einfach „Ausländer“.

Doch nun zum wirklich (hoffentlich zumindest) spannenderen Teil: Wie versprochen lasse ich euch auch gern wieder an unseren Reise-Erlebnissen teilhaben. Viel Spaß beim Lesen 😉

Montag/Dienstag
Abends 21.45 Uhr in Córdoba. Zusammen mit unseren voll beladenen 60-Liter Rucksäcken sitzen wir außerhalb des Terminals an unserer „Plataforma“ und erwarten die Ankunft Busses. Herr M.O. hat sich noch die letzte Zigarette für die nächsten 12 Stunden angezündet. Ganz offensichtlich ist er nervöser als ich. Wir fahren „Cama Suite“ nach Jujuy, das heißt wir werden unsere Sitze in eine absolut vertikale Position stellen können und -in den auch sonst viel besser als in Deutschland ausgestatteten Überlandbussen- schlafen können. Wir steigen schließlich ein und bekommen, während in den Bordfernsehern die größten argentinischen Schmusehits der 90iger Jahre laufen, unser Essen serviert.

Die Nacht über schlafe ich unverhofft gut. Als ich morgens aufwache sehe ich bereits den beeindruckenden Gebirgszug der Anden und wir erreichen Jujuy sogar ein bisschen früher als geplant.

>> San Salvador de Jujuy“ (so heißt die Stadt mit vollem Namen) liegt in einem großen Bergkessel auf etwa 1200 Meter Höhe. Der Busbahnhof ist an diesem Vormittag voller Reisender, Verkäufer und Polizisten. Letzteres macht mich nun deutlich nervöser als Herrn M.O.. Berlin Bahnhof-Zoo ist gegen das hier ein lauschiger Wallfahrtsort. Wir finden recht schnell ein Busunternehmen, dass uns nach „>> Tilcara„, dem eigentlichen Ziel unserer Reise bringt.

Innerhalb von 2 Stunden klettern wir in einem klapprigen Bus die Schlucht „Quebrada de Humahuaca“ auf 2400 Meter hinauf. Die Sicht ist großartig. Wir schlängeln uns durch gewaltige Berge. Erhaben sehen sie aus, wie mit grünem Samt überzogen. Der Himmel ist strahlend blau und die wenigen Wattebausch-Wolken sind gerade so knapp über den Bergen, dass sie scharfe Schatten auf das Grün werfen. Rechts von uns ein gut 100 Meter breites Flußbett, bis auf ein Rinnsal ausgetrocknet. Das Geröll lässt aber erahnen, welche Wucht hier in der Hauptregenzeit im Februar herrscht. Herrn M.O. und mir stehen die Münder offen. Ihm, weil er schläft, mir weil ich staune. Es ist wunderschön. Je weiter wir kommen, desto karger, aber auch bunter -dank der unterschiedlichen Mineralzusammensetzung- werden die Hänge. Sie sind übersäht mit ganzen Wäldern mannshoher Kakteen, als hätten sich die Berge seit drei Tagen nicht rasiert.

Tilcara selbst ist trocken und staubig, voll von jungen Bohemiens und alten Hippies. „Ganz weit vorn“, findet Herr M.O., soll heißen: ihm gefällt’s. Wir essen, suchen uns ein Hostel, buchen einen Tripp zu den Salzwüsten und sind danach auch schon direkt auf der Feria, dem Künstlermarkt, an dem die Einheimischen von Indianerkult bis -kitsch alles an den Mann bringen. Herr M.O. entscheidet sich UV-bewußt für einen Filzhut als Sonnenschutz und ich tue es ihm -neidisch auf seine fesche Kopfbedeckung- gleich nach. Als ich meinen braunen Hut aufsetze und mich in der spiegelnden Autoscheibe betrachte fühle ich mich wie eine stilvolle Mischung aus argentinischer Großgrundbe-sitzerin und Indianer Jones. Zufrieden strahle mich an und nehme in Kauf, dass Herr M.O. und ich nun endgültig und für den Rest der Reise als Pärchen wahrgenommen werden. Ich nehme noch eine der frischgebackenen Tortillas, die die Frauen hier direkt am Straßenrand in den zu Öfen umfunktionierten halben Fäßern backen. Außerdem eine Tüte Cocablätter für 2 Peso gegen die Höhenprobleme (und ein bisschen auch weil ich es -ich weiß, albern- aufregend finde).


Wir machen uns auf den Weg in das etwa 1 Kilometer außerhalb gelegene „Pucará“, ein teilrestauriertes Indianerdorf. Der erdige Weg führt über eine alte „Wildwest-Brücke“ und schon von weitem erkennt man den Kakteenwald, in dem die Ruinen liegen.
Mehr noch als das alte Dorf beeindruckt uns die Aussicht. Mittlerweile ist es Abend und die Sonne verwandelt die schorfen Berge in schillernde, mit Kakteen gespickte Hänge. Alle erdenklichen Rot- und Grautöne, Ocker, Orange und Gelb. „Ganz weit vorn“ findet er das, der Herr M.O.. Unter uns im Tal verläuft die „Ruta Nacional Nº 9“, bei der jedes Auto eine Staubwolke nach sich zieht.


Wir beenden unseren Tag bei einer Flasche Rotwein im Garten vor unserer Hostel-Unterkunft. Zufrieden und erschöpft schlafe so tief, dass ich von dem schweren Gewitter von dem mein Freund am nächsten Tag erzählt, nicht das Gerinste mitbekomme.

Bis bald,
Euer MitHutMädchen

PS: HAPPY BIRTHDAY lieber >>Luis!!! 🙂

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Just listening:
>> Marisol Y Palito Ortega – Corazón Contento
I love it! 😀
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