Santa Catalina (Teil 2)

Hallo meine Lieben,

wie versprochen die Fortsetzung:

Mit „Chames“, wie Carolina ihr Auto in Anlehnung an „James Bond“ liebevoll nennt, biegen wir nach links ab und folgen dem Pfad. Die Landschaft ist mittlerweile sanft hügelig und erst nach einiger Zeit wird mir bewußt, warum mir irgendetwas seltsam vorkommt. Als ich genauer hinsehe, merke ich: die Bäume und Büsche sind alle schwarz und verkohlt. Trotzdem ist alles grün und sprießt. Im September wütete hier ein grosser Flächenbrand, erklärt mir Carolina. Alle Hügel sind komplett abgebrannt, ein desaströser Anblick. Unmittelbar ruft sich mir der >> Anblick in Spanien vor einem Jahr in Erinnerung. „Die Natur ist trotzig“, denke ich und betrachte im Außenspiegel die Staubwolke die wir auf der Straße hinterlassen. So wie diese Landschaft, hat sich auch mein Gefühl seitdem verändert. Was für eine Analogie.

Wir fahren ein Stück und aus dem suchenden Blick der Anwältin schliesse ich, dass wir uns einer Einfahrt oder einer weiteren Abzweigung nähern. Ich sehe allerdings weit und breit nichts. Abruppt biegt sie nach rechts ab. Mir bleibt der Mund offen stehen. Tatsächlich gibt es einen verwachsenen, ganz schmalen befestigten Streifen, der Querfeldein und mit beachtlichen Schlaglöchern weiter ins Abseits führt. Ich kann nicht fassen, was wir hier sollen. Und dann erkenne ich vor uns erst einen kleinen Torbogen und schliesslich noch eine Mauer. Wir sind an dem winzigen Friedhof angekommen.

Mitten in der Wildnis, eingebettet zwischen frisch bewachsenen Anhöhen und von nichts weiter entfernt als von Zivilisation. „Der Friedhof stand mitten im Brandherd, doch irgendwie ist alles unversehrt geblieben. Rundherum war nur Feuer.“ Ich bin aufrichtig beeindruckt.

Wir passieren das kleine Eingangstor und was ich sehe ist einfach nur wunderschön. Eine Insel aus weiß mit bunten Tupfen. Carolina ist bereits irgendwohin verschwunden. Ich sehe sie schon nicht mehr. Egal. Die Gräber sind allesamt überirdisch. Hell getünchte Mauergewölbe umschliessen die Holzsärge. Bei manchen findet man hinter der Glasfront vergilbte Fotos der Verstorbenen, hin und wieder eine Kerze, doch immer eine Vase mit bunten Stoff- und Plastikblumen. Ergriffen von all der Ruhe und Einsamkeit laufe ich zwischen den kleinen Gebilden. Als ich an einer Außenmauer die Grasbüschel durch die Luft fliegen sehe, weiß ich auch, wo die Anwältin ist. Erst als ich näherkomme, sehe ich wie sie mit beiden Händen das Unkraut rupft. Ich hocke mich auf den Grabblock daneben und schaue ihr eine Weile zu. Sie erklärt mir, wer von ihrer Familie an welcher Stelle beerdigt liegt und wo die Asche ihrer Mutter bestattet wurde. Zusammen mit einem Glas Rotwein und einem Mate. Mir gefällt diese Vorstellung von Abschiednehmen.
Sie sagt, es sei kein Problem, wenn ich Fotos mache und insgeheim bin ich ihr dafür tief dankbar. Ich hole eine neue Batterie aus dem Auto, laufe an einem halben Meter großen Leguan vorbei und werde eine Viertelstunde lang nichts anderes machen als Fotos und Staunen.

Den letzten Teil schildere ich euch Morgen; zusammen mit weiteren Bildern. 🙂

Bis bald,
euer Ambitionsmädchen

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