Santa Catalina (Teil 1)

Hallo meine Lieben,

mein vergangenes Wochenende war unverhofft schön und genau das richtige für mental angeschlagene Ambitionsmädchen.
Es begann alles am Freitag, bei der Abschiedsfeier von Marco, der an diesem Tag seine Thesis bestanden hatte.

Sie hatten ihn schon mit Eiern beworfen, mit blauer Farbe eingeschmiert, mit Mehl gepudert, ihm die Kleider zerschnitten und nun machten sie sich über seine (eh längst nach einem Friseur kreischenden) Haare her. Zu fünft hielten sie den winselnden, sich ein paar Mal verzweifelnd aufbäumenden Jungdesigner. Seitdem trägt er die Haare am Mittelscheitel kurz…

Nachdem es sich bei Marco um einen gemeinsamen Freund handelt, traf ich bei der anschließenden Familienfeier wieder auf Carolina, die Anwältin. Sie lud mich ein, das restliche Wochenende mit ihr und ihrer Schwester auf dem Land zu verbringen. Ihre Familie hätte dort ein bisschen Grund und ein Landhaus. Ich sagte zu.

Es ist also Samstag Mittag und ich stehe gutgelaunt bereit für neue Abenteuer vor ihrem Haus.
Wir machen uns im klapprigen, 26 Lenze zählenden Fiat der Anwältin auf dem Weg nach Norden. Als ich einsteige erinnert mich der Geruch des Interieur sofort an meine Kindheit, als wir in verschrotteten Vehikeln gespielt haben. Das Auto ist „neu“, sie hat es sich vor drei Wochen gekauft. „Es fährt gut!“ versichert sie mir stolz, als sie den Motor anlässt und mir die -Achtung!- elektrischen Fensterheber demonstriert. Ich schaue auf die vermoderten Kabel die aus dem Amaturenbrett hängen. Die roten Rücksitze sind aufgeplatzt, der Staub von mindestens 5 der 26 Jahre Fahrt hängt in jeder Ritze. Die Gummi-Isolierungen bröckeln von den Fenstern. Der Sicherheitsgut ist tatsächlich einfach nur ein Gurt. Ich stelle ihn auf meinen Körperumfang ein, auch wenn ich mir direkt danach denke, dass ich im Falle eines Falles sowieso wohl eher an Genickbruch sterben würde als Folge der fehlenden Kopfstütze. In den Seitentüren klaffen links und rechts große kreisrunde Löcher in der Abdeckung. Hier waren wohl ursprünglich mal Lautsprecher. Souverän betätigt Carolina das Gaspedal (also den Fußhebel… das eigentliche Pedal fehlt nämlich) und der Wagen hustet sich auf Drehzahl. „Wie viele Kilometer hat er denn?“ frage ich betont diplomatisch als wir die erste Kurve nehmen. „Keine Ahnung,“ strahlt sie mich an, „der Tacho ist kaputt.“ „…achso“ Ich zwinge mich, nicht(!) meine Augenbrauen zu heben.
Ich werde ihr erst später sagen, dass ich glaube ihr Radlager rechts hinten ist kaputt (da >> kenne ich mich ja aus) .

Die Straße nach Jesus Maria ist so gut wie leer. Am Wochenende zieht es die Córdobeses eher nach Westen in die Sierras, als in den Norden. Wir fahren eine gute Stunde lang. Unterbrochen nur von 2x Gas tanken (die meisten Autos sind hier zusätzlich zum Benzintank noch mit einer Gasflasche ausgestattet) und einem längeren Stand an einer Kreuzung, als der Wagen nicht mehr anspringen will. So viel Spanisch („[…] mecánico y la gran puta que la parió […]“) muss ich gar nicht verstehen, als dass ich weiß, sie wünscht den gestrigen Mechaniker zum Teufel, seine Mutter gehöre dem horizontalen Gewerbe an und überhaupt sei das Alles das primäre Geschlechtsorgan weiblicher Papageien.

Der Wagen schafft es dann doch und als wir die Stadt durchquert haben, biegen wir nach fünf weiteren Kilometern in einen… Feldweg… gerade so breit, dass 2 Autos einander passieren können. „Das ist die Straße nach Santa Catalina. In 13 Kilometern sind wir dort, von da aus sind es nur noch 6 weitere Kilometer bis zu unserem Haus.“
„13 Kilometer“ und „Straße“ murmle ich leicht perplex während ich mich umsehe. Ein Feldhamster kreuzt grade noch rechtzeitig vor uns die… Straße.

Bis auf wenige Kurven geht es immer geradeaus nach Santa Catalina.
Nur hin und wieder gibt es eine Abzweigung, manchmal auch einzelne Häuser am Wegrand.

Wir kommen an eine Kreuzung und Carolina fragt mich, ob es in Ordnung ist, wenn wir zuerst noch zum Grab ihrer Mutter fahren. Sie hat eine Pflanze dabei und möchte sie dort einsetzen. „Por supuesto“ und wir biegen ab.

[Fortsetzung folgt 😉 ]

Bis bald,
euer Ambitionsmädchen

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4 Antworten to “Santa Catalina (Teil 1)”

  1. Kitty Says:

    Schnell, bitte die Fortsetzung, eine zu lange Spannungskurve halte ich nicht aus!

  2. ambitionsmaedchen Says:

    Selbstverständlich! 🙂 Ich gehe jetzt noch schnell in meinen Spanisch-Unterricht und werde danach all meine Erinnerungen niederschreiben. Ohne etwas zuzufügen oder wegzulassen… 🙂

  3. Agrippina Says:

    Abenteuerlich! Romantisch! Weiter, weiter!

  4. kaffee bizarr « Ambitionsmädchen Says:

    […] übersetze ich euch gerade einen Zeitungs-Artikel aus Argentinien. Erinnert ihr euch an die >> Anwältin mit James, der Rofflkiste? Beim nächsten Mal schreibe ich euch was von willkürlichem Machtmißbrauch der […]

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