Von Vorfreude und Normkartoffeln

Hallo meine Lieben,

in einem kurzen Panikanfall habe ich einen meiner Lieblingskomilitonen gebeten, mit mir tagsüber zu lernen, damit ich abends in der Prüfung nicht ganz sang- und klangslos untergehe. Früh morgens stand er dann auch wie versprochen vor der Tür und wir hämmerten uns den Stoff in die Köpfe. Am späten Nachmittag waren wir immer noch nicht fertig, nur reif für eine ausgiebige Pause. Mit dem Hinweis auf die vielen gesunden Vitamine, bot ich ihm an, uns einen  Apfel kleinzuschneiden. Mir viel wieder ein, dass ich selbst in Deutschland schon mal festgestellt hatte einen argentinischen Apfel gekauft zu haben und so kamen wir ins Gespräch über den In- und Export von Obst und Gemüse.
Zugegeben etwas überspitzt berichtete ich ihm, dass es zum Beispiel so einen Riesenberg Kartoffeln im Supermarkt wie hier, bei uns kaum gäbe. Stattdessen sind Regelungen und Normen so streng, dass sie sogar die Größe der Kartoffeln Vorschreiben. Ungläubig zog er die Augenbrauen hoch und begann zu schmunzeln. Davon angeheizt fuhr ich fort. So gibt es eine Handelsklassenverordnung für Speisekartoffeln (BGBL.I, S.2245 vom 22.12.1989) und die besagt sehr genau, wie eine gute deutsche Kartoffel zu sein hat. Form und Größe sind festgelegt und die >> „Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)“ weiß das natürlich ganz genau:

„Je nach Sorte gibt es folgende im Rahmen der Handelsklassen festgelegte Knollenformen: rund, rundoval, oval, langoval und lang.
Langovale bis lange Sorten dürfen im Durchmesser nicht unter 30 mm, runde bis ovale nicht unter 35 mm groß sein. Für Kartoffeln ab 25 mm Größe gibt es die Bezeichnung „Drillinge“. In Packungen mit einem Füllgewicht von 5 kg und weniger darf der Unterschied zwischen der kleinsten und der größten Knolle maximal 30 mm betragen. Knollen mit einem Durchmesser zwischen ca. 40 – 60 mm zeigen für den Speiseverzehr besonders gute Qualitäten.“

So präziese habe ich mich gestern natürlich nicht ausgedrückt, das habe ich heute noch nachträglich recheriert. Doch es genügte, um ihn sichtlich zu unterhalten. Am witzigsten war allerdings das Ende meiner wüsten Tirade auf deutsche Bürokratie, als ich die Augen verdrehte und seufzte: „Ja ja, so sind die Deutschen“. Er sah mich an, dann auf meinen Teller und fing lauthals an zu lachen. Ich sah nach unten auf mein Werk und wußte sofort warum. Meine Apfelschnitze waren ein Muster(!)beispiel deutscher Normgrößen: eines wie das andere, alle gleich groß und genau gleich dick. Es war beschähmend!!! Beschähmend!!!

Die Prüfung war dann übrigens „ganz OK“. 😉
Jetzt freue ich mich schon auf heute Abend, denn um halb sechs gehts los in die Bäckerei. Wir machen einen Probelauf „los Brezenes“. Ich glaube man würde das Know-How Import nennen 😉

Bis bald,
euer Ambitionsmädchen

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Just listening:
Wir sind Helden – Ode an die Arbeit
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Eine Antwort to “Von Vorfreude und Normkartoffeln”

  1. Agrippina Says:

    Man kann die eigene Herkunft eben nicht leugnen 😉

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