Ausgefallenes an Rentnerfüßen

Hallo meine Lieben,

hinter mir liegen drei Wochen voller Ausflüge und Reisen durch Argentinien mit ausgesprochen angenehmer deutscher Begleitung. (Ein Gruß an dieser Stelle an Frau C.F. und „Ofidersen“ wie die Argentinier hier so schön in Ihren SMS schreiben). Das Bloggen blieb leider auf der Stecke, doch wird nun wieder konsequent und in (ich gelobe) kurzer Folge weitergeführt.

Die längste Tour war eindeutig der Tripp zu den >> Cataratas del Iguazú. In der „Cama Coche“ 21 Stunden lang immer Richtung Brasilien. Erst raus aus Córdoba, vorbei an Müllhalden-Gettos. Dann stundenlang flaches Land und höchstens mal eine kleine verschreckte Meerschweinchenbande oder eine tote Kuh am Straßenrand. Soweit das Auge reicht nur Viehweiden. Keine Büsche, kein Gestrüpp. Das tropische Klima und der Dschungel kündigen sich ganz langsam erst gute 15 Stunden später auf unserer Fahrt an. Zuerst wird die Landschaft einfach nur ein bisschen hügeliger. Dann folgen niedrige Nadelbäume und nach und nach werden die Gewächse immer dichter. Die Bäume wachsen richtiggehend an. Man fährt an Sägewerken und schulterhohen Mate-Plantagen vorbei.  Schließlich kommt man im Nationalpark an.

Unser Hotel befand sich im brasilianischen „Foz do Iguaçu“. Eine kleine Stadt die fast ausschließlich vom Tourismus lebt. Was uns die Frau im Reisebüro nicht sagte war, dass es sich um ein beliebtes Etablisment für Senioren handelte und wir den Altersschnitt um geschätze 35 Jahre nach unten drückten. Vielleicht lag’s auch an der Jahreszeit.
Das Zimmer war ganz… nett… mal abgesehen vom schwer erreichbaren Lichtschalter hinterm Schrank, der Nachttischlampe die ausging sobald man sich im Bett bewegte, dem Schamhaar auf der versiegelten Klobrille und dem Duschstrahl in Form eines spärlich plätschernden Spülbeckenwasserhahns. 
Nein, ich werde nicht erzählen, dass im Speisesaal jeden Abend ein brasilianischer Tom Jones-Alleinunterhalter auf dem Keyboard spielte. Auch nicht, dass es Plateau-FlipFlop tragende Omas mit „Jingle Bells“ Klingelton im Handy gab. Gerne verzeihe ich außerdem, dass sich selbiges wohl permanent im „Draußen“-Modus befand, der eine entsprechende Lautstärke offeriert. Und dass mir eine sportliche Rentnerin den Kaffee beim Frühstück am Buffet regelrecht abgrätschte behalte ich für mich. 

Ich tue es deshalb, weil der Rest einfach so schön beeindruckend war. Wer die Gelegenheit hat, sollte seinen Lottogewinn meiner Meinung nach ganz dringend in eine Reise zu den Wasserfällen investieren. Jedem interessierten Daheimgebliebenen biete ich nach meiner Rückkehr gerne eine abendfüllende Diashow an. Der verschmähende Rest möge sich selber im Internet Bilder suchen und sich Geschichten ausdenken. Empfehlen kann ich dabei auch das unweit gelegene >> Itaipú Wasserkraftwerk, dem bis vor 2 Jahren größten seiner Art. Für mich als bildungshungrige Ingenieurin handelte es sich dabei natürlich um eine „visita obligatoria“. Tolle Bilder davon gibts übrigens >> hier .

Vermeintlich unspektakulär waren dagegen die Wochenenden in La Falda und Tanti. Zwei kleine Orte, die jeweils keine 100 Kilometer (und das heißt hier in Argentinien quasi „um’s Eck“) von Córdoba liegen. La Falda werde ich aus zwei Gründen nicht vergessen: Zum einen kam ich dort auf den ausgefallenen Geschmack von „Terma“. Ein recht bitterer Kräuter-Sirup, den man mit Sodawasser serviert. Wer „Fernet“ kennt, darf sich das so ähnlich vorstellen, nur eben alkoholfrei und sehr erfrischend. Zum Anderen weil sich dort in einem kleinen malerischen Tal ein See in 7 Mini-Cataratas ergießt.

Tanti liegt am Fuße der Sierras. Wer den kleinen Fluß stromaufwärts entlang wandert wird mit abgelegen einsamen Badestellen inmitten verlassener Schluchten belohnt. UV-hungrig haben wir die Situation selbstredend sofort genutzt und uns bis auf den BH entblößt der Sonne hingegeben. Nur die Falken am Himmel, Frau C.F. und der liebe Gott haben mein noch deutschlandkäsiges Wamperl gesehen. Dazu gab es Mate und sonst nix. Unsere kleine Erholungsstätte hat mich mit seinem unaufdringlichem Charme und seinem sanften Geplätscher total entspannt; Balsam für die Seele.

So, jetzt gehts noch auf ins „Ochentoso“, schließlich ist die Nacht noch jung und meine Lieblingsbar mit jeder Menge 80iger Jahre Spielzeug-Deko liegt direkt um’s Eck. Und diesmal meine ich nur den Häuserblock 😉

¡nos vemos!

euer Ambitionsmädchen
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Just listening:
Ramiro Musotto – Ijexá

Vor einigen Wochen live hier in Córdoba im „Casa Babylon“ gesehen. Tolle Musik!!!
Wer sich für eine Mischung aus europäischen, afrikanischen und natürlich argentinischen Rythmen mit einer Prise Industrial begeistern kann, dem sei die Band wärmstens empfohlen 😉
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4 Antworten to “Ausgefallenes an Rentnerfüßen”

  1. Zorro Says:

    Ich liebe deine Berichte, verschmitzt und direkt!! Ich bin dein größer Fan!!! (In jeglicher Art!)
    Besos

  2. ambitionsmaedchen Says:

    Das ist aber süß! Chica dulce! Ahora estoy rojo como una tomate!

  3. mama Says:

    Dein größter Fan bin natürlich IIIIch.

  4. Fast ein Bondgirl « Ambitionsmädchen Says:

    […] 30°C Flip-Flop-Saison. Einige Dinge sind hier in Südamerika schon ganz anders; nicht nur >> die Mode, auch ich. In Deutschland präsentiere ich meine Zehen zu Höchsttemperaturen schön bunt, da bin […]

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