Archive for August 2008

La vida loca

August 10, 2008

Hallo meine Lieben,

natürlich ist es einfach, „danach“ immer zu sagen man hätte es ja „vorher“ schon gewußt, aber ehrlich -echt- ich hab es vorher schon gewußt! Zumindest hab ich es mir ganz (ganz!) schwer gedacht! Was? Ich sag nur soviel: Letzte Woche hat mich meine Spanisch-Lehrerin in eine Frauenbar mitgenommen. So bin ich also -noch bevor ich sagen konnte „¿hay una escena?(??)“- auch schon in der argentinischen Version selbiger angekommen.

Am Freitag gingen wir zusammen schließlich noch zu einem absoluten Geheimtipp, wie sie mir versicherte. Eine Freundin von ihr betreibe eine kleine inoffizielle Bar, zu der nur exklusive Gäste Zutritt hätten. Über meinen flotten Karrieresprung in die mondäne Gesellschaft Córdobas war ich dann selber überrascht.
Tatsächlich sah man der „Location“ von außen nichts an, war sie doch von einer hohen weißen Mauer umgeben. Wir klingelten an der Pforte und wenig später öffnete uns eine junge Version von Bob Marley die Tür. Durch einen kleinen Vorgarten ging es ins „Casa“. Es war voll. Die Leute hatten einen kleinen Korridor freigelassen, durch den junge Modells mit ausgefallen Kleidern stelzten. Offensichtlich kamen wir gerade in mitten einer kleinen Modeschau an. Die Wände waren Purpur gestrichten, die Decke wurde getragen von jungen Baumstämmen, die wie in einer Hütte aneinandergereiht lagen. Nahe des Eingangs gab es einen weißen Kamin mit offenem Feuer und an allen Wänden standen Sofas und Sitzecken. Die Leute waren sehr unterschiedlich, wenn gleich auch meist relativ jung. Ganz klar, dieser Ort war nicht nur eine Gaybar, sondern zugleich ein Treffpunkt von Künstlern und Intellektuellen. Es herrschte eine familiäre, gemütliche Atmosphäre und so war es kein Wunder, fühlte ich mich sofort wohl. Wir holten uns an der Bar etwas zu trinken und Michelle führte mich noch in der Casa herum. Das kleine, liebevoll dekorierte Haus wurde nur für Parties genutzt. Eine Terasse, die direkt zum Hintergarten führte diente immer wieder als Platz für kleine Open-Air Sessions. Von drinnen hörten wir klatschenden Beifall. Einige Studentinnen ließen sich feiern. Ich folgerte, es müssten die Designer gewesen sein. Keine Stunde später hatte sich eine kleine Liveband in einem der Räume aufgebaut. Der Rythmus ging sofort ins Bein: brasilianischer Bossa Nova. Die betrunkene Besitzerin sang mit rauchiger Stimme mit. Was für ein Flair! Ich sog die Stimmung regelrecht in mich auf. Ich fühlte mich wie angekommen.

Gestern Abend waren die Jungs und ich mit „Ale“ (dem musizierenden Zahnarzt) auf der „Feria Artesanal Paseo de las Artes“, einem Künstlermarkt unweit meiner Wohnung. Dort verkaufen Händler an ihren kleinen Ständen vom Mate, über Töpferwaren bis hin zu Schmuck alles, was Menschenhände zu formen vermögen. So kam es, dass ich nun nach zwei Wochen endlich auch mein eigenes Mate-Gefäß habe und es nun -ganz wichtig!- erst eine Woche lang mit „yerba“ (also dem Matekraut) einweichen muss, um dem Kürbisgefäß seine Bitterstoffe zu entziehen. Der erste Aufgrußrunde im Freundeskreis wird also noch etwas auf sich warten lassen 😉

Anbei für euch noch ein Bild von meinem letzten Spaziergang. Schön… gell?!

Euer Ambitionsmädchen

********************************************************
Just listening:
Zingaros – Gypsy Tango
>> watch at YouTube (Ale ist der in der Mitte 😉 )
********************************************************

No estoy durmiendo

August 6, 2008

Hallo meine Lieben!

Ich schreibe euch aus einer schlaflosen Nacht in Córdoba. Es ist irgendwas nach zwei Uhr nachts und ich versuche seit nunmehr Stunden zur Ruhe zu kommen. Aber irgendwie ist der Lärm von draußen heute besonders fies, keine Einschlafposition bequem genug, die Straßenlaternen viel zu hell, die Decke zu dünn… ihr kennt das! 😉

Nicht dass es nichts zu erzählen gäbe und ich deshalb nicht geschrieben hätte. Die vergangenen Tage hat mich eine Erkältung total flach gelegt und um spöttischen Zungen zuvorzukommen: Nein, ich glaube nicht, dass das ein -genau eine Inkubationszeit- verzögertes Resultat der Fiesta Alemania ist 😉  Denn: in Wirklichkeit gab es schon wieder eine Welle an Eindrücken und Aha-Effekten. Ein kurzer Abriß folgt natürlich sofort!

Zunächst einmal bin ich nun auch in den Genuß eines puren argentinischen Rindersteaks gekommen und was soll ich sagen?! Ich verstehe nun aufrichtig, warum Salz und ein paar Kartoffeln als Beilage mehr als genug sind 🙂 oder anders formuliert: Es schmeckt wirklich außerordentlich lecker!

Die Entdeckung der Woche machte ich gestern. In diesem Land scheint es für jedes Begehr einen eigenen Laden zu geben: den Plastikboxen-Laden; den Papier-Laden; den Druckerpatronen-Laden; den Flaggen-Laden; den Handy-Laden; den Handykarten(!)-Laden;  und unteranderem… eine supermarktgroßen Süßigkeiten-Laden. Vor Entzücken wäre mir schier mein „corazón“ stehen geblieben. Foto folgt morgen.

Ein weiteres -wenn auch nicht kulinarisches- Hurra: Ich habe wieder jede Menge frischer Socken und Unterwäsche! Ein stetig im Ausmaß zunehmendes Defizit selbiger hatte mich doch die letzten beiden Morgende fast in Verlegenheit gebracht. Doch tapfer wie ich bin habe ich meine Sprachbarriere überwunden und bin mit Sack und Pack zur nächsten Wäscherei. Tatsächlich habe ich nun für schlappe 28 Pesos zwei Ladungen frisches Bein- und Unterkleid, das -ganz nebenbei- auch noch ganz toll duftet.

Nun ist es kurz vor halb drei und ich überlege, ob ich mich nochmal in mein ungnädiges Bett trauen soll. Im Idealfall habe ich noch 3,5 Stunden Schlaf, denn auf meinen selbstgebastelten Stundenplan steht früh morgens „Control de Gestión“. Weder das eine noch das andere machen mich -und da stoße ich bestimmt auf Verständnis- sonderlich an.

Hach, was soll’s?!

Buenas noches de Argentina! 🙂
Euer Ambitionsmädchen

Me gusta Córdoba

August 1, 2008

Hallo meine Lieben,

ich mag Córdoba! Es wird langsam Mittag und wenn ich jetzt dann geduscht habe, mach ich mich daran, die Reste von gestern aufzuräumen. Heute Abend hat mich der Zahnarzt zu einem Konzert seiner Band eingeladen.

Den sonst obligatorischen Sprachunterricht haben wir gestern schon vorsorglich auf Montag verschoben. Michelle gibt uns privat Spanischstunden. Sie ist alleinerziehend und lebt mit Ihrem Sohn Valentin in einer kleinen Piso nahe des Zentrums. Als wir das erste Mal bei ihr waren und ich meine Taschen und Jacke lässig auf die Couch werfen wollte, hätte ich fast ihren kleinen Hundewelpe Paco damit zerquetscht. Und nachdem ich mich fast der fahrlässigen Hundetötung schuldig gemacht hatte, fürchtete ich die Sympathie für mich würde nur sehr spärlich ausfallen. Gottseidank habe ich mich darin getäuscht und ich glaube, spätestens als sie mir ein Kompliment für meine Storm-Uhr gemacht hat und ich geschmeichelt und stolz „Gracias, es mi mujer!“ antwortete, war das Eis gebrochen. Sie wäre vor lachen fast vom Stuhl gefallen. Mir wurde im selben Augenblick bewußt, dass ich ihr gerade eben nicht erzählt hatte, es wäre meine Lieblingsuhr, sondern es sei meine Frau. Die korrekte Antwort hätte gelautet: „Gracias, es mi mejor“.

Tatsächlich waren die drei meiner Einladung zur Fiesta Alemania gefolgt, was mich zugegebenermaßen überrascht und gleichzeitig auch sehr gefreut hat. Auf Bayrams Laptop lief bereits Balkan-Partymusik, als die ersten Gäste um halb zehn eintrudelten. Ich hatte für reichlich Plastikbecher und Besteck gesorgt und nachdem auch Florian mit seinem aus Deutschland mitgebrachten Spätzles-Schaber da war, gingen wir daran, unsere argentinischen Amigos kulinarisch zu verwöhnen. Per Definition war die Ausgangssituation ideal. Ich hatte zuvor im Supermarkt gegenüber sogar einen Knödel-Schöpfer ergattert. Frische Bioeier und Salz gekauft; Zwiebeln liebevoll in Halbringe geschnitten und „la masa“ angerührt, bis sie schön „schmatzt“. Sobald Florian sie aber mit geübter Hand in den Topf geschabt hatte, gingen sie auf, daß schier „Bubenspitz“ daraus geworden sind. Stirnrunzelnd sahen wir uns an. Es war nur eine kurze Recherchen im Wörterbuch notwendig, bis wir wußten, dass ich Mehl mit beigemischter Trockenhefe gekauft hatte. So kam es, dass die Käsespätzle dann auch in der Pfanne „una masa“ blieben und einen, einer schwäbischen Oma herzzerreißenden Anblick, machten. Den Gästen hat es anscheinend trotzdem geschmeckt. Gut, daß sie es nicht besser wußten… 😉

Mit jeder Menge „Quilmes“ Bier fand selbst ich sie „OK“. Und wie ich da so zwischen den schnatternden Argentiniern, meinen deutschen Kumpeln und dem aufgedrehten Hundewelpen saß fühlte ich mich plötzlich sehr erleichtert und zufrieden. Anscheinend hatten alle Spaß und ich war froh über all mein Glück in dieser ersten Woche. Ich habe in kürzester Zeit eine tolle Wohnung gefunden. Ich habe Freunde, die mich hier erwartet haben und  darüber hinaus Menschen kennengelernt, die vielleicht sogar neue Freunde werden.

Ich fühle mich sorglos.

Morgen wieder mehr,
euer Ambitionsmaedchen

********************************************************
Just listening:
Dalbello – Tango
********************************************************


%d Bloggern gefällt das: