Estoy en Argentina

Hallo meine Lieben,

seit bald einer Woche bin ich nun also in Argentinien. Für einen deutschen Austauschstudenten geht es gar nicht so chillig zu, wie man sich das so gewünscht, pardón, vorgestellt hat. 😉 So komme ich also erst jetzt dazu, von meinem bisherigen Aufenthalt ein paar kleine Anekdoten zu erzählen. Der Flug war für mich als absoluten Interkontinentalflug-Newbie ziemlich anstrengend. Nur die Simpsons, die Friends und zwei weitere Spielfilme trösteten mich über die Schlaflosigkeit hinweg. Ich hätte natürlich auch diverse Videospiele ausprobieren können, aber ganz ehrlich: spanisches Hangman kann ganz schnell ganz furchtbar ernüchternd sein…
In Buenos Aires angekommen hatten wir zunächst mal keine efectivos, also kein Bargeld. Mein Komilitone, der ebenfalls für ein halbes Jahr hier bleiben wird, Florian, machte sich netterweise auf die Suche nach einem a) Geldautomaten, der b) funktioniert und c) der noch Geld auswirft. Wie gesagt, kaum wartete ich 2 Stunden, war er auch schon wieder da, wir hatten richtige Pesos in der Tasche und selbige hatte ich dem Taschendieb sogar rechtzeitig wieder aus der Hand reissen können.  Nach einem ganztägigen, kilometerstarken Fußmarsch durch Downtown Buenos Aires, traf abends noch der dritte im Bunde, Bayram -ebenfalls aus Deutschland- dazu und wir setzten uns in unsere Cama Coche. Dank der aus dem Flugzeug mitgebrachten Schlafmaske und den Ohrstöpseln, war der ältere Herr vor mir und die Straßenlampen kein Problem. Doch ein anderes Übel sollte mir meinen Jetlag verlängern: natürlich war mir klar, dass auf der Südhalbkugel gerade Winter herrscht und zunächst dachte ich ja auch, die Anzeige im Bus informiert uns über die aktuelle Temperatur. Doch ich konnte ja nicht ahnen, dass ich für eine Fahrt mit dem Nachtbus auch mit Innen(!)-temperaturen von 12° rechnen muss! Da hat’s jedenfalls jemand zu gut gemeint mit der Klima ;o)
In Córdoba angekommen verfluchte ich meine beiden XXL-Supertravel Koffer schon direkt nach dem Ausgang des Busbahnhofs. So mancher argentinische Gehsteige würde bei uns locker als Motocross-Area durchgehen, mal abgesehen davon, dass so ein Bordstein auch mal einen halben Meter hoch sein kann. Es brauchte auch nicht viel interkultureller Kompetenz, um zu ahnen, was der Busfahrer von uns hielt, als wir schwer beladen unsere Koffer in den vollen Bus wuchteten und dann auch noch mit einem 50 Pesos-Schein, als mit den hier üblichen Cospeles die Fahrt zahlen wollten. Mittlerweile weiß ich, dass Cospeles kleine Münzen sind, mit denen man seine Busfahrt bezahlt. Man kann sie an einen der unzähligen Kioske kaufen. Sie wurden eingeführt, weil es eh immer viel zu wenig Münzen in Umlauf gibt. So deckt man sich für 1,50 Pesos je Stück mit Cospeles ein und zahlt für jedesmal, sobald man in einen Bus einsteigt. Die Fahrt hat dann übrigens ohne großere Zwischenfälle ganz gut geklappt.

Ich lerne jeden Tag dazu. Die Maßstäbe sind hier um einiges… anders… Während man sich in Deutschland noch über Feinstaub aufregt, bläst mir der Bus hier schwarze Flocken ins Gesicht. Gibt es einge argentische StVO? In Buenos Aires wenigstens wurde ich das Gefühl nicht los, Ampeln würden zumeist eher als Empfehlung gesehen. Und nachdem ich schon fast von einem Moped, einem Taxi und einem 50iger Jahre LKW erfasst worden bin, war ich sehr dankbar für den Hinweis eines Einheimischen, dass die Autos hier vor den Fußgängern Vorfahrt haben.

Apropos Einheimische: Gleich am Samstag haben wir den ersten kennengelernt. Wir machten uns gerade mit unserem neuen Campus vertraut, als uns ein bärtiger Radfahrer nach dem Weg fragte. Wenig später saßen wir mit ihm auf der überraschend warmen Steinmauer und er erzählte uns von sich. Sein Name ist Alexandro und er ist Zahnarzt.  Eigentlich hat er „no ganas“ auf „trabajo“ (also keinen Bock zu arbeiten) und spielt viel lieber Sas in einer seiner vier Bands. Er war es auch, der uns die darauffolgenden Tage immer wieder mit Adressen verschiedener „habitaciones“ versorgt hat. Tatsächlich habe ich seit 2 Tagen auch eine eigene kleine „piso“, ein kuscheliges Zuhause neben einer vierspurigen Hauptstrasse. Meine Vermieterin heißt Teresa („You can call me Tere!“) und ist genau das, was ich unter einer südamerikanischen Señora verstehe 😉  Sie ist zierlich und klein, hat schwarzes schulterlanges Haar und ist immer sehr adrett geschminkt. Gestern hat sie mir von ihren 4 Kindern erzählt und wie sehr sie sich freut, dass ich mich hier wohlfühle. Vertrauenssähend zeigte ich ihr Bilder von meiner Familie und nannte meine Freundin „una amiga“ die mich besuchen wird. Das silberne Madonnen-Medallion um ihren Hals war mir dann doch eher ein Stop-Signal in den Augen als nur beiläufiger Schmuck.

Morgen abend werde ich für uns alle und meine argentinischen Freunde, die ich schon von deren Studensemester bei uns in Deutschland kenne, kochen.  Bis dahin muss ich noch ein Spätzle-Rezept und meinen eigenen >> Mate besorgen.

Ich halte euch auf dem Laufenden und schicke

muchos saludos a Alemania! 😉

Euer Ambitionsmädchen

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3 Antworten to “Estoy en Argentina”

  1. Kitty Says:

    Hallo Zebrarerl, wie klasse, dass du jetzt in Argentinien bist, ich freu mich schon auf viele viele Geschichten aus der Ferne, bin sehr gespannt!! Keep on posting! Liebe Grüße, Kitty

  2. mama Says:

    Hallo meine grosse wo bleiben die Nachrichten für deine alten Eltern

  3. Zingaros in Deutschland « Ambitionsmädchen Says:

    […] ihr euch an meinen >>argentinischen Zahnarzt? Er kommt nach Deutschland! Was für eine unerhörte Freude! Zusammen mit den beiden anderen […]

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