Hochsteckfrisuren im Windkanal

Hallo meine Lieben,

wie grenzdebil kann man eigentlich sein? Ich spreche nicht vom dreistdummen Holzdiebstahl reichlich difizitgesegneter Einheimischen im dunkelsten Bayerischen Wald (aber darauf gehe ich noch näher ein). Es geht auch nicht um das Wochentag Vormittags-Fernsehprogramm diverser Privatsender (doch wird auch dieses zu späterem Zeitpunkt nochmals erwähnt). Ich sag’s ungern: Es geht um mich.

Blame it on the weatherman! Es muss an der Höhenluft liegen, anders kann ich mir nicht erklären, wie mich bloße Eitelkeit zur Selbstzerstümmelung („verschandln“ wie der Bayer sagen würde) anstiften konnte. Ich war noch keine fünf Minuten wach, als ich (wie mittlerweile bekannt sein dürfte ganz gewöhnlich) schlaftrunken ins Bad meiner Eltern tappte. Bei der Suche nach Wattepads griff ich in den Unterschrank des Waschbeckens und da lag er, schönheitsverheißend und unschuldig. „Probier mich!“ zwinkerte er mir zu. „Du willst es doch auch!“ raunte er wohlwissend. Bei: „Nie wieder Wutz – Sei auch Du eine Bayerwald-Queen!“ war mein Widerstand gebrochen.

Ich holte ihn raus, schaltete ihn an und ließ den eindeutigen Signalen meines Körpers („AAAHAHAAAAA was für ein Schmerz“) keine Chance. Ich bin ja tapfer! Genau, auch wenn keiner zuguckt und es vollkommen egal gewesen wäre, wenn ich sofort abgebrochen hätte. Nein! Ich mache weiter! Bis zum Schluß! Ja, rechts auch noch, nicht nur links! Getreu dem Motto: „Was mich zerstört, entscheide ich schon selber!“

Es ist wahrlich (und ich bin an dieser Stelle gerne ein stellvertretendes Negativ-Beispiel und bappe mir ein großes rotes „X“ auf die Brust) keine ratsame Idee, sich unter den Armen mit dem Epilierer zu enthaaren. Sein bloßer Anblick tut schon weh, die „Anwendung“ (das Gerätesurren verhallt erst noch in meinen Ohren) ist eine jähe Provokation der Tränendrüsen. Doch: der gefühlte Après-Wundbrand geht an die Grenzen jemals in Wörter gefassten Schmerzes.

Ich schreibe es dem Schockzustand zu, dass ich instinktiv zum Wund-Desinfektionsmittel griff und es weitflächig versprühte… Es war ein stummer Schrei. Doch er hätte das Potential gehabt, auch gut und gerne erst zwei Kilometer weiter im Wald zu verhallen. Meinem kleinen Neffen verdanke ich nun die erste Linderung seit Stunden. Erst seine Creme für wunde Babypopos verhalf mir, die Arme auch mal wieder locker hängen lassen zu können. Jetzt liegt er neben mir und ich wippe ihn tief dankbar in den Schlaf.

So habe ich eine Beschäftigung und mein Bruder samt Frau für eine Stunde Babypause. Wie schön, denn ich dachte schon, nur Hochsteckfrisuren könnten mich jetzt noch ablenken. Tatsächlich lief vor zwei Tagen im Vormittagsprogramm eines Privatsenders nämlich ein Betrag zum Thema „Nachhaltigkeit statischer Stabilität von Gala-Haartracht“. So würde ich es zumindest formulieren. De facto hat man -ich beschönige nichts und dichte nichts hinzu- die Qualität von Hochsteckfrisuren (Selfmade vs. Udo Walz) im Windkanal bei 120 km/h Windgeschwindigkeit getestet. Da hatte mich die Höhenluft noch nicht ins Delirium getrieben und ich griff zu Fernbedienung („Off“!!!) und danach zur Tageszeitung.

„Holzdiebstahl“ stand da in den Polizeimeldungen vom Vortag. Von wegen heile Welt. Nachbarn hatten vergangenen Sonntag ganz empört beobachtet, wie fiese Holzklauer am Waldrand des Dorfes dicke Holzriegel in Ihren 2er Golf schoben. Dem Kennzeichen nach, waren die Halunken mindestens 30 Kilometer für Ihren Beutezeug gefahren. Mein Bruder als Verfechter von Recht und Gerechtigkeit holte die Polizei. Nicht ganz uneigennützig, hatte man sich schließlich ganz dreist an unserem(!) Wintervorrat für die Heizung bedient. Unverhofft schnell war die Gendarmerie am Tatort. Kleines Zugeständnis: „Da Frank“, seines Zeichens einer der beiden Streifepolizisten, wohnt zufälligerweise auch hier im 50 Seelendorf. Sonst hätten die nie so schnell hierher gefunden, ganz sicher! So konnten Sie zügig mit dem Spurensichern beginnen. Ganz sicher: hätte ich mein YPS-Agentenset noch, hätte ich Ihnen geholfen. So wurde erstmal der Vorzeughalter sicherheitshalber identifiziert und mal besucht…

Einzig beruhigend: Der Dorfklatsch für die nächsten Wochen; der ist jetzt auch schon mal …gesichert.

Guten Start ins Wochenende! 🙂

Euer Ambitionsmädchen

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Just listening:
Baby Luis – Schluckauf
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Eine Antwort to “Hochsteckfrisuren im Windkanal”

  1. nibblet Says:

    Klasse 😀 achja: [chauvimodus on] das erste mal tut immer weh. [chauvimodus off] tapfer weiterepilieren, dat wird schon!

    also, „babe-der-woche“-tag ist immer montags. schick mir doch bitte ein bild mit oder ohne bikini *lächel*. hochaufgelöst versteht sich. Damit man das schön in allen Bildschirmauflösungen präsentieren kann.

    danke für deinen kommentar, ich wollte nämlich schon streiken. zwischen 20 und 50 seitenaufrufe pro tag, und nur meine mom hat den arsch in der hose, ihren senf dazuzugeben 🙂

    es grüsst herzlichst aus dem tiefsten oberschwaben,
    cat

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