Mensaoutings

Hallo ihr Lieben,

bevor ich weiter von meiner Reise berichte, muss ich doch glatt erzählen, wer mir gestern im Gaydelight-Zelt gegenübersaß! Ich schätze es muss wohl schon halb neun und fast eine ganze Maß gewesen sein. Die Zelteingänge wurden bereits versperrt, so propenvoll war’s. Keine vier Meter weiter sah ich einen Lockenkopf, der mir doch sehr bekannt vorkam. Sollte es wirklich sein, dass…? Mein Gesicht muss schon ganz besonders dämlich ausgesehen haben, denn meine Banknachbarin gegenüber fing urplötzlich lauthals an zu lachen und zwar ganz offensichtlich über mich. Dabei hatten wir uns vor einer Stunde erst kennengelernt. Wie auch immer. Ich sah nochmal an ihr vorbei und tatsächlich! Da saß sie! Meine Zahnärztin! Total fassungslos brüllte ich (zugegebenermaßen schon durch die Maß enthemmt): „Meine Zahnärztin, meine Zahnärztin! Da ist sie! Da!“ Gut, dass nur „Fiesta, Fiesta Mexicana“ noch lauter war! Möglichst unauffällig versuchte ich rauszufinden, ob der Typ neben ihr womöglich doch ihr Freund ist, oder noch schlimmer: ihr Mann. Nach kurzer Erklärung der Situation bekam ich gutgemeinte Tips von allen Beisitzerinnen. Allerdings fand ich: „Hallo! Ich bin die, der sie immer den Fluorlack draufmachen“ keinen geeigneten Einstieg in eine ungezwungene Konversation. Leider hatten wirklich alle vorgeschlagenen Anmachsprüche dentalen Kontext. So kam es, dass ich schier an der Bierbank kratzend und total desperate dasaß und doch salzsäulengleich nichts unternahm, als sie mitsamt ihrer Gruppe 10 Minuten später aufstand und ging. Diesmal sorgte wohl mein langes Gesicht für die allgemeine Erheiterung am Tisch. Damned!

Gut, dass ich heute länger schlafen konnte. Ganz „fit“, bin ich nämlich noch immer nicht. Auf dem Weg zur Mensa zogen mich heute drei befreundete Kommilitoninnen beiseite. Sie wüßten da was. Ich solle mal raten, wer aus unserem Studiengang denn schwul sein könnte. Da wir nur knapp 50 Leute im Semester sind und ich -außer mir- niemanden kenne, der queer durch die Gegend rennt war ich erst mal ratlos und nannte einfach ein paar Namen. So ein, zwein würd ich’s schon zutrauen. Total falsch winkten sie lachend ab und bedeuteten mir dann aber sofort leise zu sein, weil sich ein ganzer Pulk hinter uns näherte. Ich dachte weiter nach. Inzwischen standen wir bereits am Essensrondell, bei dem man die verschiedenen Tagesessen begutachten kann. Während sie sich die Speisen anschauten und über die wenig liebevolle Drapierung lästerten, warf ich trotzig und neugierig dazwischen: „Ich will jetzt endlich wissen, wer schwul ist!“ In diesem Augenblick beugte sich ein Kommilitone über meine Schulter, und fragte: „Was gibts denn heute?“. Regungslos stand ich da, als sie mich alle wortlos anstarrten. Oh Gott! Ich hatte sofort kapiert. Er stand genau hinter mir. Die Erste drehte sich schon prustend weg, offensichtlich wäre sie sonst regelrecht geplatzt. Dem unverholenem Grinsen der anderen entnahm ich dann, dass er wohl schon wieder weg war. Ich hätte nicht gewagt mich umzudrehen. „Oh nein, ich glaube ich bin voll ins Fettnäpfchen getreten, oder?“ Lachend kam die Prusterin auf mich zu „Naja, es war war eher so groß“ und bildete mit beiden Armen einen Ring.
So ist das nun also… ich bin nicht mehr allein. Auch schön 🙂

Morgen wieder mit Reisebericht, versprochen 😉
Euer Ambitionsmädchen

********************************************************
Just listening:
“Sono – Blame”
********************************************************

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: