13.09.07 – Donats zum Frühstück

Am Himmel nur einige Wolkenfetzen. R und ich gehen noch vor dem Frühstück zum Strand und werfen uns in die Wellen. Gestern meinte noch einer der Jungs, natürlich würde es auch im Mittelmeer Haie geben und die meisten Unfälle passierten stehts in Strandnähe. Ich weiß nicht, ob ich mich darauf verlassen möchte, dass es sich um einen Scherz handelt. Mit marinen Lebensräumen habe ich mich noch nie näher auseinandergesetzt. So schwimme ich lieber nur dort, wo ich auch schnell noch aus dem Wasser laufen könnte (…womöglich…könnte). Wir kehren zurück und essen am späten Morgen mit den Jungs. Schon wieder nach Sonne lechzend sagen sie uns ein textilloses Sonnenbad an und keine fünf Minuten später verkündet R, er würde jetzt (einfach mal so) eine Spritztour mit dem Motorrad unternehmen. Wir sollen nicht auf ihn warten. Ich werde den ganzen Tag das Gefühl nicht los, er fühlt sich als einziger Hetero ein bisschen als Randgruppe. Insgeheim aber bin ich froh, dass unser weiteres Urlaubs- und Freundschaftsverhältnis nicht durch gruppenzwängliche Nacktheit, gepaart mit geheuchelter Unbefangenheit verstört werden könnte. So kommt es, dass sich den Rest des Tages drei Adonisleiber und (*räusper*) eine Venus auf den Liegen und der LuMa im Pool aalen. Ich versetze meinen Geist in einen tranceähnlichen Zustand, indem ich mich mit den zahlreich vorhandenen Tina-, Lisa- und Laura-Zeitschriften betäube. Man kann offensichtlich gar nicht weit genug reisen, um >> diesen Blättchen zu entkommen.

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Ordnung muss sein und so gibt es pünktlich um vier Kaffee und Kuchen. Dieser rosaroten Tradition der Jungs schließe ich mich gerne an. Gerade will ich mir noch ein kleines Kalorienbömbchen in den Mund schieben, da klingelt mein Handy. Ein Kundenbetreuer meines Internetproviders ruft an. Nur soviel: das Mädchen aus dem Wunderland hieß auch so. Weil ich schon 2x bei der Hotline angerufen und um Verbesserung der Leitungsqualität gefleht habe, wäre ich nun für ein Testprojekt vorgesehen. Soso. Ich antworte ihm, dass es für mich leider gerade schwierig wäre mich näher damit zu befassen, weil ich ganz(!) schön weit weg und erst wieder in 4 Wochen zuhause wäre. (Die 4 Wochen waren natürlich geflunkert, aber klangen so gut.) Nachdem ich aufgelegt habe, rügen mich die Jungs, warum ich ihm nicht die ganze Wahrheit erzählt habe? Meine korrekte Antwort hätte lauten müssen: „Tut mir leid, ich sitze gerade nackig mit drei schwulen Jungs in einer spanischen Finca am Pool beim Kaffeekränzchen und esse Kuchen.“ Ich erwidere, dass mir das niemand glauben würde. Sie verstummen kurz, gehen offensichtlich in sich und stimmen mir dann doch zu.
Gegen Abend kommt R zurück und berichtet von einer großartigen Fahrt durch einsame Gebirgszüge. Ich werde einerseits ganz neidisch, war aber um einen Tag Motorradpause auch dankbar. Später machen wir uns alle frisch und fahren zu einer Tapas-Kneipe am Hafen. Es gibt einen großen Teller Muscheln. Zum Schluss werde ich von allen Anwesenden am Meisten gegessen haben und mir unanständig prall vorkommen. Vor dem Schlafen zieht mich R zu sich, um die weitere Tour zu besprechen. Wir beschließen noch einen Tag zu bleiben und danach doch nicht nur die Küste entlang zu fahren. Seine Idee, ins Landesinnere aufzubrechen läuft offene Türen bei mir ein. Leichte Damen und Fabriken am Meer haben wir schon genug gesehen.

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Just listening:
“röyksopp – only this moment”
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