12.09.07 Salzwasser

Irgendwann habe ich aufgegeben zu versuchen zu schlafen. R’s Schnarchen stellt schon in der 2. Nacht eine harte Probe für unsere Freundschaft dar. Zumindest denke ich das für mich. Er kann nichts dafür, ich weiß. Es sind immer verschiedene Phasen. Eine direkt nach dem Einschlafen, dann so um zwei und noch eine knackige um halb fünf. Mit dezenten Rippenstößen ist da nicht viel zu machen. Muffig (und ich spreche dabei nicht vom Odeur) stehe ich auf, lasse die Geräuschkulisse hinter mir und räkle mich auf dem Balkon. Der Hinterhof ist groß. Wir sind per Definition im dritten Stock; in Wirklichkeit aber noch einen darüber. Die Spanier zählen die Stockwerke wohl erst ab der 2. Etage. Da stehen ein paar Firmenwagen und ich denke mir, dass ich gar nicht wissen möchte, wie viele Köpfe hinter den Bürofenstern wohl meine Pandabären-Augenringe sehen können. Ich blicke am Balkon hinunter und muss kurz quieken. Da liegen sie, meine Handtücher. In vier Meter Entfernung auf der Trockenleine unserer Nachbarn unterhalb. Kobra übernehmen Sie! Nur mit T-Shirt und Donald Duck Boxershorts bekleidet hänge ich wenige Minuten später über dem Geländer. Gut, dass ich mir noch drei weitere Gummi-Expander gekauft hatte. Aneinandergeknotet reichen sie gerade so bis nach unten. Hoffentlich zeigt mich kein Beobachter dieses Schauspiels wegen vermeindlichen Wäschediebstahls an. Noch schlimmer wäre es, wenn jemand da unten aus dem offenen Fenster guckt und ich auf spanisch anfangen müsste zu erklären… In der Zwischenzeit ist auch R aufgestanden und gibt mir Richtungsanweisungen. Mit viel Glück schaffen wir es, alle drei wieder hoch zu angeln. Jetzt wäre ich auch fit für den Louvre.
Beim Toastbrot-Frühstück klaue ich noch ein paar Hotelmarmeladen für schlechte Zeiten und wir brechen auf Richtung Süden.
Wer die Katalanenstadt auf den Weg nach >> Tarragona verlässt, bekommt zu seiner Rechten ein grandioses Schaubild. Schier ein ganzer Berg mit bunten Nischengräbern. Nur wenige Kilometer weiter beginnt die Steilküste und es folgt eine >> kilometerlange Kurvenfahrt an der Klippe. Der Nervenkitzel macht mir Angst und doch gleichzeitig ein Dauergrinsen im Gesicht. Wir machen Halt in Tarragona. Hier rieselt mir zum ersten Mal Mittelmeersand durch die Finger. Der trübe Himmel und das schäumende Meer passen zu meiner Stimmung, meinem Abenteuergefühl.

spanien03.JPG

Auf der Fahrt nach >> Vinarós halten wir noch bei einem Aldi (Kult muss sein) und einem Imbiss („Hay sólo Bocadillo ‚Frankfurt'“, ’ne Frankfurter im Brötchen, also gut…). Vorbei an blühenden Kakteen am Straßenrand und Prostituierten vor irgendwelchen schäbigen Absteigen. Am späten Nachmittag erreichen wir unsere drei schwulen Freunde, die hier in einer Finca ihren Urlaub verbringen. Das Haus und die Anlage sind wunderschön und ich staune über so viel Liebe zum Detail. Die Strandbucht ist genau einen Gang über die Strasse weit entfernt. Wir werden mit leckerem Abendessen und Wein erwartet. Ich nehme vorher noch eine heiße Dusche im Freien (was für ein Luxus!) und wir verbringen den Abend entspannt mit viel Reden. Seltsam, erst jetzt fühlt es sich an, als wären wir in Spanien angekommen.

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Just listening:
“kosheen – hungry”
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2 Antworten to “12.09.07 Salzwasser”

  1. Kitty Says:

    Was ist wohl aus der irren Irin geworden… Und werdet Ihr ihr wieder begegnen? Gespannt warte ich auf die Fortsetzung…

  2. Agrippina Says:

    Handtücher hochgeangelt! Haha! Super.

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