Archive for September 2007

Augen zu, Regen – Augen auf, Sonne

September 30, 2007

Hallo ihr Lieben,

da bin ich nun also wieder zurück von unserer abendteuerlichen Zweiradtour durch Spanien. An mir und meinem Motorrad „Doktor Suzuki“ ist gottseidank noch alles dran und manches gar gleich runderneuert (doch dazu an betreffender Stelle mehr) 😉 Schön ist’s, wieder hier zu sein und so kläglich es mit Worten nur möglich sein kann, lasse ich euch doch gern am Erlebten teilhaben. Es wird allerdings ein paar Tage dauern 😉
Mein alter WG-Mitbewohner und guter Freund (Ich nenne ihn zur Vereinfachung fürderhin einfach „Mister R“) begleitete mich auf der Reise. Als ich ihm im Frühsommer erzählte, ich plane mit dem Motorrad durch Spanien zu fahren, war er sofort begeistert und von da ab mit von der Partie.

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Just listening:
“celso peña – cumbia sobre el rio”
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Have a lot of fun!
Euer Ambitionsmädchen

10.09.07 – Auf und davon

Als wir uns auf den Weg nach Kornwestheim machen, hängt der Himmel tiefgrau über der Strasse. Wir kommen an der Verladestation an und schon sehr schnell merke ich, dass ich mich mit Dr. Suzuki eindeutig im Low-Price-Segment der restlichen Autozugfracht befinde. Dort stehen sie schon alle, die Midlife-Crisis-Bierbauch Spätvierziger mit ihren 1000er BMWlern. Sogar eine Frau unter ihnen. Von oben bis unten mit original BMW-Klamotten. Ich frage mich, wie viele Kleidungsschichten sie dieses Konzept wohl konsequent umgesetzt hat und betrachte meine Noname-Hose. Aha, sie ist offensichtlich mit Papi unterwegs. Nichts anderes will sich züchtig in mir logisch reimen. Wir verladen die Motorräder (auf der Verladestation besteht Helmpflicht, ich merke schnell warum) und werden gerade rechtzeitig vor einem Regenschauer fertig, um die restliche Zeit bis zur Abfahrt im Warteraum totzuschlagen. Eine prima Gelegenheit, um das erste meiner Wurstbrote zu essen. (Mein unersättlicher Appetit sollte übrigens noch den ganzen Urlaub lang andauern.) Wir trinken ein Abschiedsbier und ich verliere sehr verdient gegen meinen Reisebegleiter beim Schach.

spanien01.jpg

Nach einer Stunde steigen wir in den Zug, machen es uns bei zwei Münchnern („I bin da Alex“ „Zu mir konnst Bebbe sogn“) im fünfer Schlafabteil gemütlich. Die Männer (Schwabe gegen Bayern, Honda vs. BMW) werden selbst nach zwei Stunden nicht so recht miteinander warm und so gehen R und ich ins Bistro bis in den späten Abend.

11.09.07. – Barcelona
Drei schnarchende Männer sind ganz schön viel auf geschätzen 4 Kubikmetern. Seit Mitternacht streiken auch die meisten der Toiletten. Zum Frühstück gibt es Kaffee, Brötchen, das Letzte meiner sechs Wurstbrote und eine Durchsage, des eifrig gut gelaunten Schaffners: „Sehr verehrte Fahrgäste, wir erreichen Narbonne fahrplanmässig um holba ölfe“. Die armen mitgereisten Franzosen, denke ich, sie werden nie erraten, wann wir ankommen.
Nach dem Abladen machen wir uns auf dem Weg direkt nach Barcelona. Mister R’s Navi rettet uns vor den hiesigen Einbahnstrassen, Ampeln und Rollerfahrern. Uns steht der Schweiß in den Stiefeln. Wir erholen uns ein paar Stunden in der Jugendherrberge, duschen und hängen die Handtücher auf den Balkon. Die „Juhe“ ist ganz nett. Eine Irin läuft nackt und wetternd durch den Gang.

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Mister R und ich schlendern bis in die Nacht durch die Gassen der Gaudistadt. Es ist wunderbar. Ich sauge das Leben und die Vielfalt der Stadt in mich ein, wie eine große Portion Morgenluft. Die Sinne kommen nicht zur Ruhe. Zum Schluss bin ich von der Stadt ganz high.
Mit zwei Dosen Bier machen wir es uns zu später Stunde noch auf dem Balkon gemütlich. Mein Blick fällt auf die leere Wäscheleine. Ich frage R ob er sich vorstellen kann, dass die irre Irin unsere Handtücher geklaut hat. Um niemandem etwas Böses zu unterstellen, schreiben wir einen Vermissten-Zettel und legen ihn auf den Küchentisch. Alkoholbefeuert male ich mir aus, wie ich am nächsten Tag aus der Dusche steige und mich mit Papierhandtüchern trocken tupfen muss. R lacht und wir gehen schlafen.

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Lebenszeichen

September 18, 2007

Hola ihr Lieben!

Hach, ist Spanien toll! Bisher hat alles wunderbar geklappt und geregnet hat es bisher nur einmal. Da dann aber so heftig, dass an weiterfahren nicht mehr zu denken und mein Kumpane und ich nass bis auf die Unterwaesche waren.  Das Gefuehl jeden Tag auf´s neue „die Pferde zu satteln“ macht einfach Spass!

Unsere Tour fuehrte uns bisher von Barcelona nach Vinaròs. Dort zwei Tage Zwischenstop in einer von lauter Gays besetzten Finca am Meer. Den Tag darauf schliefen wir in einem Bergdorf namens Manzanera; irgendwo im Hochgebirge. Von dort wieder weiter nach Westen. Und aufgrund eines ausgiebigen platten Reifen gestern nach Guadalajara. Aber dazu erzaehle ich mehr, wenn ich zurueck bin. Ueberhaupt erleben wir hier echte Abenteuer! Im Augenblick sitze ich in Toledo, hier bleiben wir die naechsten zwei Tage. Morgen ein Ausflug nach Madrid. 🙂 Meine Augen kommen nicht zur Ruhe! (Sierra y Chickas 😉 )
Am Dienstag gehts per Autozug wieder zurueck. Im Anschluss daran werde ich natuerlich ausfuehrlich Reisebericht geben.

Sonnige Gruesse nach Alemania!
Euer Ambitionsmaedchen

„Ich bin dann mal weg“ oder „España, kein Pardon“

September 6, 2007

Hallo ihr lieben,

„5329 DPR9EA-9“, so ist die offizielle Bezeichnung dieser wunderschönen Zündkerze, die hier so außergewöhnlich (typisch frau) liebevoll drapiert abgelichtet wurde. Auf derart feinem Zwirn wird sie nie wieder ruhen, denn gleich morgen früh wird sie in mein (noch viel wunderschöneres (Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters!)) Motorrad eingebaut.

zuendkerze.jpg

Bereits letzte Woche wurde ich in die hohe Kunst des „Selber-am-Moped-Rumschrauben“ eingeführt. Mein Freund Roland und ich saßen noch beim Kaffee als er mir erklärte, was wir gleich alles tun würden. Allein beim Gedanken an unser maskulines Treiben kam ich mir gleich ganz dykie vor. Dumm, hatte ich doch keinen Blaumann mit einem (gewollt versehentlich) lässig hängendem Träger. Noch ein Schluck aus der Tasse und ich lebte meinen Tagtraum aus: Die Sonne brennt vom Himmel. Auf dem staubingem Vorhof meines Freundes kniehe ich vor der aufgebockten Enduro. Er selbst ist schon lange weg, ich habe ihn weggeschickt einen neuen Benzinfilter holen. Da höre ich hinter mir das Surren einer lauten, starken Maschine, danach Schritte. Mein geschultes Gehör erkennt, dass es sich um eine Frau handeln muss. Ich merke, wie mir ein nähertretender Schatten die Sonnenstrahlen auf meinem Rücken nimmt. Langsam blicke ich um mich und sehe sie. Eine rassige Südländerin im Lederkombi. Hinter ihr flirrt noch der Motor ihrer Rennmaschine. Den Helm hat sie unter ihren Arm geklemmt, während sie sich betont langsam und chalant die Handschuhe auszieht. „Hablas español?“ frägt sie mich. „Sí, señora!“ antworte ich ihr, während ich aufstehe. Mit ölverschmiertem Unterarm wische den Schweiß von der Stirn und säubere meine 15er-Schlüssel-Hände notdürftig an einem alten Baumwohltuch.
Sie lächelt mich etwas hilflos an und sagt: „Tengo un problema con los carburador“. Ich schmunzle über ihr rollendes „r“ und neige meinen Kopf, um an ihr vorbeizublicken:“No problema para mi“ Die Antwort scheint sie erwartet zu haben. „¡Ay, qué gracia!“ haucht sie, legt eine Hand auf meine Schulter und zieht mich an sich. Noch immer lächelnd raunt sie mir zu:“Hoscht du zwoi kafft?“
-Filmriss, kein Happy End- „Was?“ Ich erholte mich von meinem Flashback in die Realität. „Hoscht du zwoi kafft? Dei Enduro hod doch zwoi Zündkerza“ „Äh, nein“ „Naja, dann baued ma dawal die oine ei. Nach da Kette kinned ma au glei luaga.“
Der Nachmittag gestaltete sich dann übrigens so, dass ich zuschaute, wie ein echter Kerl an meinem Motorrad rumschraubt. Ich hab in der Zwischenzeit das Moped mit Eimer und Bürste geschrubbt. Schließlich will man im Ausland einen guten Eindruck machen. 😉
Fans, mein Leben besteht seit Wochen nur noch aus zwei Abschnitten: Vor und nach dem Spanientripp. Am Montag gehts für zwei Wochen los. Roland und ich fahren mit unseren Motorrädern nach Andalusien. Allein die Fahrt bis an die spanische Grenze mit dem Autozug verspricht allerlei Abenteuer. Ich sag nur: schlafen im 5er-Abteil. 😉

Bis bald,
euer Ambitionsmädchen

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Just listening:
“gotan project – la revancha del tango”
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