23.02.2006 – Faktische Begebenheiten (= Phantastische Vorahnungen Teil 2)

Liebe Fans,

was ihr gestern gelesen habt, war tatächlich kein Ausschnitt aus einem Cora-Heftchen sondern meine gestern 1-zu-1 eingetretene Vision. Was ihr heute lest, ist die Fortsetzung der wahren Geschichte und ich verspreche nichts auszulassen, noch zu beschönigen. So, here it is: Teil 2

Ihr Kopf war genau über mir. Sie hatte ein junges, unverbrauchtes Gesicht; Sie war
18, vielleicht auch schon 19? Ganz eindeutig wies nichts auf einen längeren Zeitraum von übermäßig langem Bildungsinput und Drill hin. Ihre Mimik verriet außerdem, dass Sie keine Zeit mit unnötigen geheuchelter Freundlichkeit vergeuden wollte. Ihren Augen logen mir nichts vor, nein, sie war wirklich von sich heraus(!) ganz ehrlich(!) teilnahmslos und desinteressiert. Ich war erstaunt über diese Offenheit und irgendwie nahm mir das ein Stückchen Angst.
Erst jetzt fiel mein Blick auf das Gebilde in Augenhöhe. Ich konnte es nicht glauben, war das, was sie neckisch unter ihrem grünen T-Shirt, dem bauchfreien Pulli und direkt überm Jeansbund trug, junges Leben? Selbst noch so blühend und doch schon bald Mutter eines neuen Erdenbürgers? Nur langsam wurde mir klar, dass es sich bei der weichen Schwabbelmasse um eine immense Ansammlung Babyspeck, allerdings ihres eigenen, handelte. Befremdlich war außerdem, dass Sie entweder ein Piercing trug, welches sich deutlich unterm T-Shirt abzeichnete oder Sie hatte einen jener (für mich unterträglichen) Bauchnabel, die nach außen pfloppen.
Gottseidank wandte sich, anstatt meines Kopfes, sie sich weg um Wasser zu holen. In dem Moment hörte ich auch schon eine zweite Stimme: „Ich komme gleich!“ Mir war sofort klar, was das heißt.
Meine Fingernägel krallten sich noch ein Stückchen weiter ins Kunstleder, ich schloß fest die Augenlider und biss die Zähne aufeinander. Vorsichtig bildtete ich einen unauffälligen Spalt im rechten Auge und schielte hindurch. Ich hielt die Luft an, konnte das Blut in den Ohren rauschen hören. ER kam auf mich zu. ER fasste mich an den Kopf. Um mich nicht vollends zu blamieren rieß ich die Augen auf. „Du warst ja schon echt lange nicht mehr da?! Ich dachte schon, Du kommst gar nicht mehr.“ „…ja… so wenig Zeit… du weißt schon…“ lächelte ich gequält. Er öffnete meinen Pferdeschwanz. „Hoi… die sind aber lang geworden.“ Die Lehne knarzte hörbar als ich den Griff lockerte.
Es dauerte die nächsten 30 Minuten bis sich wieder so etwas wie Gelassenheit bei mir einstellte. Das ist nichts neues. Er kennt mich mittlerweile. Er weiß, dass ich so bin. Er, das ist mein Friseur. Ich mag ihn. Als ich das erste Mal zu ihm kam, war ich ein scheuer, sehr vorsichtiger, fast argwöhnischer Kunde. Viel zu tief saßen die Wunden mißglückter Azubi-Schnitte in meiner Seele; viel zu offensichtlich trug ich deren Ungeschicktheit auf dem Kopf mitherum. Geschockt hat mich anfangs nur, dass er verheiratet ist und mich mein „Gaydar“ so getäuscht hat. Wir plauderten über Skiurlaube, Vogelgrippe und meine Leidenschaftslosigkeit an der Fußball-WM. Die letzten drei Minuten genoß ich sogar, wie er mit seinem Kamm und der Schere an mir hantierte. Ich fühlte mich fast schon wohl, zitterte nicht mehr. „Jenny, Kannst Du der [Webmistress] grad mal die Haare waschen?!“ rief er über seine Schulter. Jenny -es war Frau scheinschwanger- kam und schob mich ans Waschbecken. In der Hoffnung ein Gespräch anfangen zu können, täuschte ich Interesse vor, als Sie feststellte, dass das Shampoo so schäumt und ich heute wohl schon die Haare gewaschen hätte. Ah, ob man das etwa daran erkennen könnte? Ja. Danach nichts mehr mit Gespräch. Sie schob mich an den Spiegel zurück und begann mit einer Rundbürste durch meine Haare zu rupfen. Als sie nach dem Föhn griff, fürchtete ich schon, sie würde das nun auch noch machen. Tat sie auch. Sie föhnte meine Haare glatt (offensichtlich in der Annahme dieser „Look“ wäre in meinem Sinne) indem sie die Bürste ganz doll in meine Haare rollte und sich dann mit dem Körper dagegenlehnte um wie wieder rauszuziehen. Sowas ähnliches hatte ich mal als kleines Kind mit unserem Zottelfell-Hund gemacht. Allerdings hatte meine Mutter Mitleid mit dem Tier und die Bürste mit der Schere rausgeschnitten. Schade, war meine Mutter nicht anwesend. Heute habe ich nämlich Nackenschmerzen vom Dagegenhalten. Ein Wunder eh, dass mir kein Stück Kopfhaut abgerissen ist.

Wie auch immer. Heute trage ich trotz „Laura Linney in der Exorzismus der Emily Rose“-Looks doch noch zusammengebundene Haare. Ich muss mich erst gaaanz langsam wieder an die neue Frisur gewöhnen. Egal, ER versteht das und nimmt’s nicht persönlich. :o) ER, das ist mein Friseur…

Bis bald,

euer Ambitionsmädchen

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