18.07.2006 – Sonntag morgen war nur das Handy aus

Hallo Fans,

ich habe gestern die Ereignisse des vergangenen Sonntags erst noch wirken, sich deren Folgen erst in voller Pracht entfalten lassen.

Es fing alles Samstag Abend an. Ich war zu einem Geburtstag nach Nürnberg eingeladen. Gewohnt zu spät („kommt einfach um 19.30 h vorbei“) traf ich dort auch ein (21.00 h), und stellte gut gelaunt fest, dass die Grill-Wammerl (Scheinebauch) just im Moment in optimaler Bräunung (kurz vor der karzinogenen Schwärze) und Knusper-Konsistenz liebevoll serviert wurden. Die Partygesellschaft hielt sich bis spät in die Nacht, es wurde viel gelacht und geplaudert. Netterweise durfte ich bei der Gastgeberin im Gästezimmer nächtigen und dachte mir noch nichts, als ich am nächsten Morgen bemerkte, dass mein Handy leer ist.
Ich wurde noch zu lecker Brunch in Nürnberg eingeladen (An dieser Stelle sei mir ein kleiner Insider erlaubt: Tammi, das Trampolin war klasse, oder?!) und machte mich gen späten Nachmittag auf den Rückweg nach Stuttgart.

Etwa eine Stunde später zog gerade die Ausfahrt Crailsheim an mir vorbei  und ich war frohen Herzens denn der wenigen LKWs. Es ruppte nur ein bisschen beim Gasgeben. Keine 10 Kilometer weiter, ruppte es immer noch und ein kaum wahrnehmbares Geräusch („roflroflrofl“) drang vom rechten Vorderrad her. Natürlich habe ich gleich wie eine Frau reagiert und das Radio sofort lauter gestellt. Nach weiteren 10 Kilometer war das „roflroflrofl“ und ruppen nicht mehr zu ignorieren. Anzeichen leichter Sorgenfältchen auf der Stirn und nächster Parkplatz raus. Gut dass da gleich eine Clique postpubertierender Jungs stand, die mir auf ein hilfloses Lächeln, einen Fingerzeig und kompetenter Fehleranalyse („da, kaputt?! stinkt und raucht ein bisschen“) hin sofort einen Defekt des Radlagers bescheinigten. „Was bis Stuagadd no? Desch schaffe sie loggr! Koj Broblem! Fahredse halt koine Rennen uf da Strass – hahaha“

road01.gif

Also gut, sowas in der Art hatte ich mir schon gedacht, wäre schließlich auch nicht das erste Mal und außerdem: ich hatte ja keine andere Wahl! Qualifiziertere Auskunft war mangels Angebot nicht zu bekommen! Wie auch immer, ich fuhr rechts mit Tachonadel auf der Hundert und ließ mich geduldig von den (wir erinnern uns) wenigen LKWs überholen.
Das Geräusch wurde immer schlimmer. Die Zielgerade quasi schon vor mir fuhr ich gerade an der Ausfahrt Zuffenhausen vorbei. Da passierte es dann. Es tat einen Schlag, der Reifen blockierte und ich beförderte den Wagen sofort auf den Standstreifen. Gottseidank ist nichts passiert! Ich sprang sofort an den Kofferraum, holte das Warndreieck raus, stellte es ordnungsgemäß auf und versuchte mein Hyperventilieren in den Griff zu kriegen. Ganz ruhig, kein Problem, alles im Griff! Beifahrertür auf, Handy raus, Nummer wählen… Moment! Handy leer! Ok, keine Panik! Notrufsäule? Fehlanzeige! Lauf vor und versuch ein Auto anzuhalten. Gesagt getan, ich winkte, die Leute winkten zurück. Ich bedeute anzuhalten, die Leute fuhren etwas langsamer. Wirklich lange musste ich aber nicht warten und es war schließlich einer dieser Momente, indem ich dachte: „Danke lieber Gott, dass ich eine Frau bin, für einen Mann hält nie jemand an!“ Es war schließlich ein fescher Franzose, wie ich nach wenigen Sätzen feststellte. Nicht dass ich etwas französisch sprechen würde, doch wir kamen mit Englisch ganz gut zurecht. Er bestand leider beharrlich darauf, das Rad erst mal abzuschrauben und zu versuchen es selbst zu reparieren.

Weiß eigentlich irgendjemand was Radlager auf Englisch heißt? Ich hatte ehrlich Befürchtung, er versteht mich (ganz ganz!) falsch, wenn ich ihm mit den Händen vormache was ich meine. Selbstverständlich konnte er auch nur auf die Ölspritzer, das qualmende Lager und die heiße Felge zeigen. Schließlich war er es dann, der mir mit den Händen gestikulierte, das Radlager sei kaputt und schließlich konnte ich ihn dann doch noch überreden, mich kurz sein „Mobile“ benutzen zu lassen. Auch hier möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass es sehr zeitaufwendig und nervenraubend sein kann, mit einem französischen Handy die deutsche ADAC Hotline zu erreichen. Eine Viertelstunde (in verschiedenen Warteschleifen!) und drei Weiterleitungen später konnte ich schließlich auch erklären, wo ich mich befinde und was ich als Schaden vermute.
Dem Franzoses war nicht mal nach Weiterfahrt zumute, als ich im erklärte, dass es nun wohl nicht mehr lange dauern würde, bis ich abgeschleppt werde. No No, er leistet mir noch Gesellschaft. Wie süß und er war wirklich sehr nett! Doch alles hat ein Ende und als eine halbe Stunde später mein Auto auf den Abschlepper gezogen wurde, dankte ich ihm nochmals herzlich („Oh no no, it was a pleasure!“). Natürlich würde ich seiner Einladung folgen und ihn in Frankreich besuchen! Wir umarmten uns und ich steckte den Zettel mit seiner Adresse ein.
Selbst als ich schon im Schlepper saß, winkte er mir noch beim Überholen. Hach! Deutschland, warum hast Du nicht solche Helden?! Der nicht minder freundliche Mann vom ADAC, brachte mein Auto zur Werkstatt und nahm mich sogar noch ein Stück mit, damit ich nicht so weit zur Bahn hatte. Am Hauptbahnhof Stuttgart angekommen stand ich vor dem nächsten Problem. Die Bahn fährt nur bis Esslingen. Wie sollte ich von dort aus nachhause kommen? Jemand mußte mich abholen kommen. Aber wie soll ich jetzt jemanden Bescheid geben? Ich kenne ja nicht mal die Handynummer meiner Liebsten auswendig! (Asche auf mein Haupt!) Kurzer Rundumblick, na klar, ich ruf von der Telefonsäule aus die Auskunft an. Das hatte ich mir ja schön gedacht! Wir stehen nämlich nicht im Telefonbuch. Nach vergeblichen Versuchen bei der 11833 wußte ich dann auch, dass wirklich(!) niemand(!) aus meinem Freundeskreis im Telefonbuch steht. In einem Fall war aber immerhin ein automatischer Anrufbeantworter dran. Könnte sein, dass das vielleicht(!) eine meiner Freundinnen gewesen wäre… Ich werd’s wohl nie wissen…
Von der Telefonsäule aus die Auskunft anrufen und durchgestellt werden kostet übrigens jedes mal 2,- Euro. Hochrechnen dürft ihr jetzt selber. Irgendwann konnte ich wenigstens bis zur Familie meiner Süßen durchgestellt werden und ihr ausrichten lassen, sie sollte mich bitte am Bahnhof abholen. Nein, sie kann mich nicht zurückrufen! Ja, mein Auto geht nicht mehr! Nein, ich hatte keinen Unfall! Nein, ich wurde auch nicht überfallen! Keine Sorgen machen.

Wieder zwei Stunden später war ich schließlich zuhause, 2 Minuten später im Bett.

8 Stunden für 200 Kilometer, mit viel Willen hätte ich es in der Zeit auch mit dem Fahrrad geschafft ;o)

Bis bald,
euer Ambitionsmädchen

P.S.: Achso, ob ich wirklich nach Frankreich fahre? Ich denke schon. Vielleicht nicht so bald, aber irgendwann… wenn mein Auto repariert ist ;o)

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2 Antworten to “18.07.2006 – Sonntag morgen war nur das Handy aus”

  1. Santa Catalina (Teil 1) « Ambitionsmädchen Says:

    […] meine Augenbrauen zu heben. Das offensichtlich ihr Radlager rechts hinten kaputt ist (und damit >> kenne ich mich ja aus) werde ich ihr erst später […]

  2. wedding dresses plus size designer Says:

    Your website won’t render properly on my iphone 3gs – you might want to try and repair that

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